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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Übersichtsband, 2. Abtheilung: Geschichtlicher Theil

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Graf von Artois den beiden Monarchen überreichte, nicht deren Billigung fand, die Hast, 
mit der sich Leopold die bald darnach erfolgte Annahme der Verfassung vom 14. September 
durch Ludwig XVI. zunutze machte, um den Gegenstand des europäischen Concerts fürs 
erste als beseitigt zu erklären. Die brausende Leidenschaft der Nationalversammlung, vor 
Allem der Gironde, war es, welche zuletzt den Kaiser zwang, ans ernstere Maßregeln als 
auf das nebelhafte Concert der Mächte bedacht zu sein. Auf die Drohungen der National 
versammlung gegen den Kurfürsten von Trier forderte er zwar diesen zur Auflösung des 
auf seinem Gebiete sich sammelnden Emigrantenheeres auf, ratificirte aber zugleich das 
Reichstagsconclusum über die Elsässer Fürstenrechte und erklärte in einer Note vom 
21. December 1791 an Frankreich, daß er als Reichsoberhaupt eine bewaffnete Verletzung 
der Grenze nicht zulassen könne und daher für diesen Fall Vorkehrungen getroffen habe, 
dem Kurfürsten von den Niederlanden aus Hilfe zu bringen. Vor Allem aber vollzog er 
unter dem Eindrücke jener Drohungen am 7. Februar 1792 den Allianzvertrag mit Preußen. 
Aber auch jetzt wiegte sich der Kaiser noch immer in der Hoffnung, durch diplomatische 
Mittel den Sturm zu beschwichtigen. Er wünschte nun jenes europäische Concert wirklich 
herbeizuführenj aber er bot die größte Vorsicht auf, um den Krieg mit Frankreich, falls 
derselbe unvermeidlich werden sollte, des Charakters der Vertheidigung nicht zu entkleiden. 
Leopolds Bemühungen blieben wirkungslos. Dem Ultimatum der Nationalversammlung 
vom 25. Januar 1792 folgte dann die österreichische Gegennote vom 17. Februar. Am 
20. April erfolgte die Kriegserklärung Frankreichs. Leopold hat dieselbe nicht erlebt. An 
demselben Tage (1. Mürz 1792), da die letzte kaiserliche Note in der Nationalversammlung 
verlesen wurde, starb Kaiser Leopold rasch und unerwartet. Seine Gemalin Maria Louise, 
Tochter des Königs Karl III. von Spanien, folgte ihm wenige Wochen später (15. Mai) 
in den Tod. Sie hatte ihm 16 Kinder geboren, von denen nur zwei vor den Eltern starben: 
die Erzherzoge Franz (später Kaiser), Ferdinand (Nachfolger seines Vaters in Toscana), 
Karl, Leopold, Albrecht (gestorben 1773), Maximilian (gestorben 1778), Josef, Anton, 
Johann Baptist, Rainer, Ludwig und Rudolf und die Erzherzoginnen Maria Theresia 
(später Königin von Sachsen), Marie Anna, Marie Clementine (später Gemalin Franz I-, 
Königs von Sicilien) und Marie Amalie. 
Auch Leopolds II. Regierung in Österreich wird sehr verschieden beurtheilt. Da er 
sieh gleich anfangs zur Zurücknahme einer Reihe von Maßregeln seines Bruders gezwungen 
sah, anderseits den weitgehenden Ansprüchen der Stände vielfach entgegentrat, so hat man 
seine Regierung in Österreich bald unter den Gesichtspunkt einer Restauration, ja Reaction 
gegen den Josefinismus gebracht, bald wieder derselben eine noch weit über Josefs Absichten 
hinaus gehende Richtung auf Beschränkung der ständischen Rechte imputirt. Nun wird 
zwar die richtige Würdigung Leopolds durch die kurze Dauer seiner Regierung in Österreich
	        
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