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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Übersichtsband, 2. Abtheilung: Geschichtlicher Theil

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itten in einer der größten europäischen Krisen gingen die österreichischen 
Länder an Leopolds II. ältesten Sohn über, der bald darnach auch den 
deutschen Thron als Franz II. bestieg. Frankreich wurde ans einem 
Verbündeten Österreichs dessen heftigster Gegner. Aber die Kriegs 
erklärung der Nationalversammlung lautete blos formell an den jungen 
„König von Ungarn und Böhmen", im Grunde war sie gegen die ganze alte Ordnung 
Europas gerichtet. 
Nur die Eintracht des bedrohten Europas hätte diese Gefahr abzuwenden vermocht. 
Wirklich reichten sich Österreich und Preußen die Hand zum Waffenbunde. Sie schienen 
ihres alten Haders vergessen zu haben und auch Katharina II. von Rußland, einst Diderots 
gelehrige Schülerin, trug jetzt den tiefsten Haß gegen die Jakobiner zur Schau. Jur Grunde 
aber gingen die Absichten der drei Mächte weit auseinander und trugen nur zu bald den 
Sieg über das große gemeinsame Interesse davon. 
Schon der mißglückte Feldzug in der Champagne und seine traurigen Folgen 
ließen das lose Gefüge und den inneren Widerspruch der österreichisch-preußischen Allianz 
erkennen, welche zu lockern zwar den Franzosen damals noch nicht gelang, deren Zerfall 
aber die Vorgänge in Polen beschleunigten. 
Seit zwei Decennien arbeitete Katharina unablässig an dem Plane, das Czarenreich 
durch die Eroberung Polens in unmittelbaren Verkehr mit der Cultur des Westens zu 
bringen. Um der Beute sicher zu sein, hatte sie sich allen Versuchen einer Consolidirung 
Polens hindernd entgegengesetzt und, um den Besitz des Landes dereinst nicht mit irgend 
Jemanden theilen zu müssen, bisher Preußen und Österreich in feindlicher Spannung 
gegeneinander zu erhalten und, als ihr dies nicht mehr gelingen wollte, sie immer tiefer in 
den Krieg mit Frankreich zu verwickeln gesucht. Aber der fein angesponnene Plan wurde 
durch die geheimen Verhandlungen zwischen Österreich und Preußen durchkreuzt, denen 
zufolge sich letzteres mit Rußland über eine neue Theilung Polens verständigen und 
an diesem Lande für die Unkosten des französischen Krieges schadlos halten, Österreich 
dagegen in dem Austausche der Niederlande gegen Baiern seine Rechnung finden sollte. — 
Diese Verhandlungen wurden nicht mehr von Kaunitz, sondern von dem Staatsreferendar 
Spielmann geführt. Der greise Staatskanzler hatte erst nachträglich von den bevorstehenden 
Abmachungen Kenntniß erlangt; er mißbilligte sie und trat aus diesem Anlasse von den 
Geschäften zurück. Wohl war sein Rücktritt eine natürliche Folge davon, daß das Politische 
System, das er 1756 begründet, durch die französische Revolution aus den Angeln 
gehoben ward; dennoch muß man es tief beklagen, daß seine warnende Stimme ungehört 
verhallte, daß vielmehr sein Nachfolger im Amte, der Vicekanzler Philipp Cobenzl, sich 
von Preußen die Zustimmung zu einem Projecte entreißen ließ, das Kaunitz als eine
	        
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