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und heiratete Marie Louise von Österreich, ein Opfer, welches ihr Vater, Kaiser Franz,
aus politischen Gründen bringen zu müssen glaubte, theils um die beabsichtigte Heirat
Napoleons mit einer russischen Prinzessin zu Hintertreiben, theils in der, angesichts der
Rücksichtslosigkeit Napoleons gegen seine eigenen Verwandten allerdings trügerischen
Hoffnung, wenn nicht dessen dauernde Freundschaft, so doch Zeit zur Wiedererstarkung der
Monarchie zu gewinnen. Am 2. April 1810 feierte Napoleon seine Vermählung mit der
„Tochter der Cäsaren", wobei drei Königinnen und zwei Fürstinnen die Schleppe trugen
und eine unerhörte Pracht entfaltet wurde. Zwar wurde der Brand bei dem Ballseste, das
der österreichische Botschafter Fürst Schwarzenberg zu Ehren der Vermählten veranstaltete,
wobei dessen Schwägerin (als sie ihre Tochter, die nachherige Fürstin Windischgrätz,
vom Feuertode rettete) in den Flammen umkam, als unheilverkündende Vorbedeutung
genommen. — Als aber dem Kaiser der Franzosen im nächsten Jahre ein Sohn, der
„König von Rom" (nachher Herzog von Reichstadt, gestorben 1832) geboren wurde, schien
die Zukunft Frankreichs gesichert, Napoleon selbst in die Reihe der rechtmäßigen Souveräne
eingetreten.
Da führte ihn der russische Feldzug an den Wendepunkt seines Glückes. Denn an
die Stelle der früheren Freundschaft zwischen den Kaisern Napoleon und Alexander trat
ein gespanntes Verhältniß, jemehr sich herausstellte, daß das Erfurter Bündniß nicht
jenem älteren mit Josef II. aus der „feenhaften" Zeit Katharinas II. glich, sondern die
Unterordnung Rußlands unter den Willen Frankreichs zum Ziele hatte. Bald kam es zu
offener Feindschaft, da Napoleon die mit dem russischen Kaiser verwandte Dynastie von
Oldenburg ihres Landes beraubte. Der Nimmersatte Eroberer wollte auch noch den letzten
Staat auf dem europäischen Kontinente knechten und erklärte den Krieg.
Mit einem über eine halbe Million starken, aus verschiedenen Nationen gemischten
Heere rückte Napoleon, von den Polen als Befreier begrüßt (1812), über den Niemen in
Rußland ein. Preußen und Österreich mußten Hilfscorps aufstellen, jenes unter Jork
am linken Flügel, dieses unter Schwarzenberg in Volhynien, so daß sich der Welt das
eigenthümliche Schauspiel darbot, daß jene beiden Mächte, die einst zusammen ausgezogen
waren, um die Revolution zu bekämpfen, nunmehr dem glücklichen Erben derselben Heer
folge leisteten. Allein gleich anfangs gestaltete sich der Krieg für Napoleon sehr ungünstig.
Die Russen vermieden eine Hauptschlacht und zogen sich, Alles hinter sich verheerend, zurück.
Hungersnoth und Krankheiten lichteten die Reihen der französischen Armee, welche die
Richtung nach Moskau, „dem Herzen Rußlands", nahm. Nach den Siegen bei Smolensk
und bei Borodino hielt Napoleon seinen Einzug in die verödete alte Czarenstadt. Als aber
ein sechstägiger Brand, den der Statthalter von Moskau, Rostopschin, angeordnet hatte
und den man vergeblich zu löschen suchte, die grvßtentheils aus Holz gebaute Stadt in