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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Übersichtsband, 2. Abtheilung: Geschichtlicher Theil

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scheinbar so naheliegende ihm nie gemacht worden ist, groß zn sein im Kleinen. Vielmehr 
wußte er Alles, auch Wissenschaft und Kunst, seinem Streben dienstbar zn machen. Auch 
sie mußten sein Haus und seine Person verherrlichen helfen. Denn diesem seinem Hanse 
gehörte sein politisches Streben ganz an. Der Glaube an die künftige Größe seines Hauses 
ist sein Leitstern. Und so wie er selbst durch seine burgundische Heirat den Grund zu 
derselben gelegt hatte, so waren auch fernerhin Verträge und Heiraten die Mittel, deren 
er sich zur Erreichung seiner politischen Ziele bediente. „In dem Gelingen dieser viel 
gestaltigen Pläne, welche die österreichische Universalmonarchie herbeiführen sollten, feierte 
seine politische Klugheit ihren höchsten Triumph." Wenn zu irgend einer, so galt zu dieser 
Zeit der Spruch: „kolia Zerarft aiii, tu lolix ^.uotria uubsft 
Freilich, ganz ohne Kriege ging es dabei nicht ab. Wie ein rother Faden zieht sich 
durch Maximilians Herrscherleben die Feindschaft gegen Frankreich, die ihm als ein Theil 
der burgundischen Erbschaft zufiel. 
Wohl hatte Maximilian durch seine Heirat mit Maria von Burgund die Pläne 
Ludwigs XI. durchkreuzt, der die vielumworbene Braut mit seinem eigenen Sohne, dem 
Dauphin Karl, vermählen wollte. Aber das Herzogthum Burgund zog damals der König 
von Frankreich ein und Maximilian sah sich trotz des glänzenden Sieges über die Franzosen 
bei Guinegate doch genöthigt, im Frieden zu Arras denselben nicht nur Burgund, sondern 
als Heiratsgut seiner als Braut für den Dauphin bestimmten Tochter Margaretha auch die 
Grafschaften Burgund und Artois zu überlassen, und während nunmehr seine dreijährige 
Tochter dem französischen Hofe übergeben wurde, um dort als künftige Kronprinzessin 
erzogen zu werden, sah sich Maximilian nach dem Tode seiner heißgeliebten Gattin auch von 
seinem Sohne Philipp (dem Schönen) getrennt, da ihn die Niederländer anfangs nicht als 
Vormund desselben und Regenten anerkennen wollten. Maximilian glich, wie Olivier von 
der Mark sagt, dem heiligen Eustach, dem ein Löwe seinen Sohn, ein Wolf seine Tochter 
geraubt. Und sowie der König von Frankreich Karl VUI. die Flamünder in ihrer Opposition 
gegen Maximilian bestärkte, ja später mit den Empörern, welche den römischen König zn 
Brügge gefangen hielten, über dessen Auslieferung verhandelte, so vereitelte er auch die 
Pläne desselben ans die Bretagne, indem er sich selbst mit der Herrin dieses Landes, 
Maximilians zweiter Braut, vermählte und die eigene frühere Braut zn ihrem Vater 
Maximilian entließ. Kein Wunder, daß dieser, der sich als Vater und Bräutigam gleich 
tief verletzt fühlte, Frankreich ewige Rache schwur, daß er dessen Pläne allenthalben, in 
Neapel wie in Mailand — hier durch seine Vermählung mit des Herzogs Ludovico Morv 
Nichte — zu durchkreuzen suchte und daß er sich endlich der „heiligen Ligue" anschloß, uni 
an derselben Stelle, bei Guinegate, wo er den ersten Sieg erstritten hatte, auch seinen letzten 
über Frankreich — die Sporenschlacht — zu erringen.
	        
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