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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Übersichtsband, 2. Abtheilung: Geschichtlicher Theil

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Jndeß gingen diese Kämpfe nicht lediglich non persönlichen Motiven aus. Man muß 
sich vielmehr gegenwärtig halten, daß im XV. Jahrhundert sich neben dem französischen 
das burgundische Staatswesen ausgebildet hatte, und daß es eine Zeitlang zweifelhaft 
schien, welcher der beiden Staaten eine größere Anziehungskraft auf die umliegenden Gebiete 
ausüben werde, eine Frage, die erst durch die Einziehung der Lehensherzogthümer Burgund 
und Bretagne zu Gunsten der französischen Krone entschieden wurde. Indem nun Maximilian 
durch die burgundische Heirat mit diesen durchaus neuen Verhältnissen in Berührung kam, 
nahmen dieselben durch seine eigenartige Persönlichkeit allerdings sofort ein individuelles 
Gepräge an, zugleich aber floß — namentlich seit seiner Erhebung auf den deutschen 
Thron — die burgundische Frage mit der allgemeinen europäischen zusammen. Fortan 
handelte es sich nicht mehr blos um den Besitz dieses oder jenes Landes, das Ziel des 
Ringkampfes lag höher. Es war das Kaiserthum und mit demselben die Weltherrschaft, 
welche die Könige Frankreichs den Habsburgern zu bestreiten suchten. Schon jetzt wußten 
die Franzosen im Bunde mit Venedig Maximilians Romsahrt zu Hintertreiben, so daß sich 
dieser mit dem Titel eines „erwählten" römischen Kaisers begnügen mußte, den sich seine 
Nachfolger unmittelbar nach ihrer Krönung in Aachen beilegten. 
Indem sich Maximilian der Coalition anschloß, welche Karl VIII. von Frankreich 
zum Aufgeben Neapels zwang, trat er mit dem spanischen Königshause in nähere Ver 
bindung. Die damit zusammenhängende Vermählung seines Sohnes Philipp mit der 
Infantin Jnana legte den Grund zur Erwerbung jener spanischen Reiche, die eben damals 
Christof Columbus verdoppelt hatte. 
Knüpfte Maximilian im Westen die folgenreichsten Verbindungen an, so vergaß er 
darüber die große Aufgabe, die seines Hauses im Osten harrte, doch keineswegs. Nach dem 
Tode des Corvinen Matthias gewann er mit dem Schwerte in der Hand die alte Ostmark 
des Reiches wieder und suchte auch die Rechte seines Hauses ans Ungarn, welche der 
Ödenburger Vertrag begründet hatte, gegenüber dem Böhmenkönige Wladislav, den die 
Ungarn durch Wahl auf ihren Thron berufen hatten, zu verfechten. Gab er auch in dem 
Frieden zu Preßburg (1491) für den Augenblick seinen Anspruch ans, so sicherte er doch 
denselben für die Zukunft, indem er nicht nur von dem König, sondern auch von einzelnen 
Reichsständen die eidliche Zusage empfing, daß, falls jener ohne männliche Nachkommen 
sterben oder sein Mannesstamm erlöschen würde, die Krone Ungarns auf ihn, ans einen 
seiner Söhne oder aus einen zu wühlenden directen Nachkommen derselben übergehen sollte. 
Als sodann eine ihm abgeneigte Partei, an deren Spitze der ehrgeizige Wojwode von 
Siebenbürgen Johann Zapolyai stand, jenen Vertrag als nngiltig widerrief, griff 
Maximilian wieder zu den Waffen und legte sie nicht eher nieder, als bis durch einen 
neuen Friedensschluß sein Anrecht gesichert ward. Ihren krönenden Abschluß fanden diese
	        
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