68
einen wesentlichen Fortschritt gegenüber den Zuständen der früheren Zeit. Daß es
Maximilian nicht an der Befähigung zur Durchführung innerer Reformen gebrach, das
hat er in seinen Erblanden gezeigt, die sein Vater durch die cillische, er selbst durch den
Rest der görzischen und einen Theil der landshutischen Erbschaft erweiterte und die er nach
dem Tode seines Vaters und seit demErlöschen der Tiroler Linie seines Hauses allein regierte.
Maximilian ist der erste österreichische Fürst, welcher die verschiedenen bisher losen
Bestandtheile seiner Hausmacht zu einem Staate zu vereinigen und die Grundlagen einer
geregelten Administration zu schaffen suchte, wobei ihm theils burgnndisch-französische
Einrichtungen, theils die unter günstigen Verhältnissen bereits eonsolidirte Verwaltung
Tirols als Vorbilder dienten. Zu diesem Zwecke wurden die österreichischen Erblande in
drei größere Gruppen: Nieder-, Ober- und Vorderösterreich vereinigt und in jeder Gruppe
ein eigenes Regiment eingesetzt, welches im Namen des Landesfürsten die Regierung der
ihm untergeordneten Länder zu führen hatte. Niederösterreich bestand aus Österreich ob
und unter der Enns, Steiermark, Kärnten und Krain; Oberösterreich ans Tirol, dem
größeren Theil der ehemals görzischen Besitzungen, Vorarlberg und den übrigen Gebieten
im östlichen Schwaben; zu Vorderösterreich wurden die österreichischen Besitzungen im Elsaß,
Rheingan und auf dem Schwarzwalde gerechnet. Der Sitz der Regierung Oberösterreichs
war in Innsbruck, jener der Vorlande in Ensisheim, während der Sitz der nieder
österreichischen Regierung wiederholt wechselte. Als Centralbehörde rief Maximilian eine»
Hofrath ins Leben, der als oberste Justizstelle fungiren sollte, dem er aber später einen
erweiterten Wirkungskreis zudachte. Von der politischen und Justizverwaltung trennte er
das Finanzwesen, welches er theils der Hofkammer, an deren Spitze ein Generaleinnehmer
oder Kammermeister stehen sollte, theils der Raitkammer zu Innsbruck als oberster
Rechnungs- und Controlsbehörde zuwies. Damals hatten auch die Stände bereits eine
hervorragende Bedeutung im Staatsleben gewonnen, da sich der Landesfürst in vielen
Fällen — namentlich im Kriege — auf deren Verwilligungen an Geld und Truppen
angewiesen sah. Es ist beachtenswertst daß Maximilian auch das Ständewesen zu
organisiren suchte, indem er, um sich für den Fall eines Angriffes von außen, besonders
aber zur Bekämpfung der immer gefährlicher werdenden Türken der Unterstützung aller
Länder zu versichern, (1518) nach Innsbruck einen sogenannten Ausschußlandtag berief,
welcher, den heutigen Delegationen vergleichbar, aus Abgeordneten der einzelnen Landtage
bestand und als erster Versuch einer Gesammtvertretung der österreichischen Länder zu
betrachten ist. Die Einrichtungen Maximilians unterlagen zwar noch manchen Wandlungen,
im Ganzen aber bildeten sie die Basis für die Verwaltung der deutsch-österreichischen Länder
bis zur Zeit Maria Theresias. Auf der Grundlage, welche Maximilian geschaffen, baute
sein Enkel und Nachfolger Ferdinand I. weiter.