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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 3

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wurde die Stadt vvn den Tataren verheert. Das damals schon in erster Blüte stehende 
Pest war ebenso schutzlos wie Ofen, beide hatten das nämliche Geschick. Der Feind ver 
heerte auch die kurz vorher in Pest errichtete Klosterkirche der Dominicaner, die an der 
Stelle des jetzigen Klosters der Englischen Fräulein stand, und nicht minder die Pfarr 
kirche der Stadt. 
In der jetzigen Pfarrkirche der inneren Stadt sicht man in die Wand des südlichen 
Thurmes innen einen romanischen Rundbogsnsries eingemanert, der für ein Überbleibsel 
der alten, durch die Tataren zerstörten Kirche gehalten wird. Von der ganzen Architektur 
der Hauptstadt vor dem Tatarcneinfall ist außer der Überlieferung von diesen wenigen 
Gebäuden nichts erhalten. 
Wahrscheinlich war, als diese Gebäude entstanden, die ehemalige römische Stadt 
noch nicht ganz zu Grunde gegangen. Und wahrscheinlich ist es auch, daß diejenigen, die 
in Ofen Neubauten anfsührten, das in den Ruinen Aquincums bereit liegende Bau 
material, Werkstücke und Ziegel, nicht verachtet haben. Es ist jedoch fraglich, ob die Über 
bleibsel der römischen Kunst sich als locale Überlieferung geltend machten, ob sie der 
neu beginnenden architektonischen Knnstübung als Ausgangspunkt dienten, kurz, ob sie, 
wie etwa von den Gothen in Südfrankreich, zur Schaffung einer eigenthümlichcn Baukunst 
benützt wurden. 
Die traurigen Erfahrungen des Tatareneinfalls lehrten König Bela 11. die alte 
Wahrheit, daß die auf Bergen erbauten Burgen und Städte die größte Sicherheit gegen 
feindliche Einfälle bieten. So entstand Pest gegenüber die Veste Ofen auf einem ganz 
nahe dem Donauufer und mit ihm beinahe parallel verlaufenden länglichen Bergrücken 
vvn etwa 86 Joch Flächeninhalt. Ihre Gründung ist in das Jahr 1249 zu setzen. Die an 
der Stelle Agnineums stehende Stadt erhielt jetzt den Namen Alt-Ofen. Ohne Zweifel war 
Ofen schon zur Zeit seines Gründers Bela IV. nicht blos eine auf Bergeshöhe gebaute 
Stadt, sondern zugleich, wenigstens theilwcise, ein mit Vertheidignngswcrken ausgestattcter 
Platz, eine wirkliche Veste; welcher Art jedoch die Schntzwerke waren, ist nicht bekannt. 
Im Jahre 1255 hatte die Festung Ofen schon viele Einwohner: Ungarn, Deutsche und 
Italiener. Dank der günstigen Lage der Stadt waren Handel und Gewerbe schon damals 
sehr lohnende Beschäftigungen, die Bevölkerung wurde alsbald recht wohlhabend und 
Hand in Hand damit ging ein Aufschwung des Bauwesens, das von Bela IV. kräftig 
gefördert wurde. Zn dieser Zeit und in den folgenden 300 Jahren, welche den Aufbau 
der Festung Ofen vollendeten, entstanden zahlreiche Kirchen, Klöster, königliche Schlösser, 
Häuser vvn Vornehmen, aber obgleich darüber mancherlei Aufzeichnungen vorhanden sind, 
wird anffallenderweise kein einziger Baumeister genannt. Es ist indeß wahrscheinlich, daß 
die Baumeister dieser ersten Periode der Festung Ofen meistens Deutsche waren.
	        
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