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wurde die Stadt vvn den Tataren verheert. Das damals schon in erster Blüte stehende
Pest war ebenso schutzlos wie Ofen, beide hatten das nämliche Geschick. Der Feind ver
heerte auch die kurz vorher in Pest errichtete Klosterkirche der Dominicaner, die an der
Stelle des jetzigen Klosters der Englischen Fräulein stand, und nicht minder die Pfarr
kirche der Stadt.
In der jetzigen Pfarrkirche der inneren Stadt sicht man in die Wand des südlichen
Thurmes innen einen romanischen Rundbogsnsries eingemanert, der für ein Überbleibsel
der alten, durch die Tataren zerstörten Kirche gehalten wird. Von der ganzen Architektur
der Hauptstadt vor dem Tatarcneinfall ist außer der Überlieferung von diesen wenigen
Gebäuden nichts erhalten.
Wahrscheinlich war, als diese Gebäude entstanden, die ehemalige römische Stadt
noch nicht ganz zu Grunde gegangen. Und wahrscheinlich ist es auch, daß diejenigen, die
in Ofen Neubauten anfsührten, das in den Ruinen Aquincums bereit liegende Bau
material, Werkstücke und Ziegel, nicht verachtet haben. Es ist jedoch fraglich, ob die Über
bleibsel der römischen Kunst sich als locale Überlieferung geltend machten, ob sie der
neu beginnenden architektonischen Knnstübung als Ausgangspunkt dienten, kurz, ob sie,
wie etwa von den Gothen in Südfrankreich, zur Schaffung einer eigenthümlichcn Baukunst
benützt wurden.
Die traurigen Erfahrungen des Tatareneinfalls lehrten König Bela 11. die alte
Wahrheit, daß die auf Bergen erbauten Burgen und Städte die größte Sicherheit gegen
feindliche Einfälle bieten. So entstand Pest gegenüber die Veste Ofen auf einem ganz
nahe dem Donauufer und mit ihm beinahe parallel verlaufenden länglichen Bergrücken
vvn etwa 86 Joch Flächeninhalt. Ihre Gründung ist in das Jahr 1249 zu setzen. Die an
der Stelle Agnineums stehende Stadt erhielt jetzt den Namen Alt-Ofen. Ohne Zweifel war
Ofen schon zur Zeit seines Gründers Bela IV. nicht blos eine auf Bergeshöhe gebaute
Stadt, sondern zugleich, wenigstens theilwcise, ein mit Vertheidignngswcrken ausgestattcter
Platz, eine wirkliche Veste; welcher Art jedoch die Schntzwerke waren, ist nicht bekannt.
Im Jahre 1255 hatte die Festung Ofen schon viele Einwohner: Ungarn, Deutsche und
Italiener. Dank der günstigen Lage der Stadt waren Handel und Gewerbe schon damals
sehr lohnende Beschäftigungen, die Bevölkerung wurde alsbald recht wohlhabend und
Hand in Hand damit ging ein Aufschwung des Bauwesens, das von Bela IV. kräftig
gefördert wurde. Zn dieser Zeit und in den folgenden 300 Jahren, welche den Aufbau
der Festung Ofen vollendeten, entstanden zahlreiche Kirchen, Klöster, königliche Schlösser,
Häuser vvn Vornehmen, aber obgleich darüber mancherlei Aufzeichnungen vorhanden sind,
wird anffallenderweise kein einziger Baumeister genannt. Es ist indeß wahrscheinlich, daß
die Baumeister dieser ersten Periode der Festung Ofen meistens Deutsche waren.