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nach Jordanes, in der Gegend des Neusiedler- und Plattensees, von der Donau bis
zur Save hinab, während die Gepiden Siebenbürgen als ihr Erbtheil betrachteten.
Beide Völker erkannten die Oberhoheit der römischen Kaiser an, forderten aber von ihnen
reiche Neujahrsgeschenke, im Grunde ein regelmäßiger Tribut, den die stolzen römischen
und byzantinischen Kaiser den Barbaren in dieser Form entrichteten. Die Ostgothen
wunderten bald nach Italien aus und gründeten dort unter Theodorich (dem unsterblichen
Detre der magyarischen Heldensage) das ostgothische Königreich; aus der Zeit aber, da
sie in den ungarischen Landestheilen jenseits der Donau saßen, sind ihre Todten hier
zurückgeblieben, und einen Theil derselben ließ Wilhelm Lipp in der Gegend von Keszthely
ausgraben und lieferte die dabei gemachten reichen Gräberfunde an das Nationalmuseum
ab. Aus diesen und den Schätzen der Gräberfelder, die im südwestlichen Theile des Landes
durchforscht wurden, ersieht man die Cultur der Ostgothen, die sich durch Tirol hinab
bis nach Oberitalien erstreckt.
Als die Ostgothen fort waren, dehnten die Gepiden ihre Macht gegen Westen aus,
bis sie durch die mit den Avaren verbündeten Langobarden besiegt wurden. Die aus ihren
Gräbern herrührenden Schätze zeigen denselben Kunststil, den wir aus den in Tournay
entdeckten großartigen goldenen Grabausstattungeu des Frankenkönigs Childerich I. kennen.
Dieser Kunststil ist zu Ende des V. Jahrhunderts den Schmuckgegenständen aller
germanischen Völker eigen und im Nationalmuseum hauptsächlich durch den Schatz von
Bakod vertreten. Auch aus der Avarenzeit sind daselbst Grabschätze vorhanden, die, nach
den Münzen des Justinianus, Phokas und des (bärtigen) Ooimturckirms possonutim zu
schließen, dem VI. und VII. Jahrhundert angehören. Ein mit Silber eingelegtes eisernes
Schwert charakterisirt das VIII. Jahrhundert; ein ähnliches hat man in Norwegen
gefunden, wohin es, ebenso wie nach Ungarn, vermuthlich ans der Rheingegend eingeführt
wurde. Das IX. Jahrhundert finden wir durch einige slavische Schläfenringe vertreten,
das X. aber, die Zeit der magyarischen Herzoge, besonders durch die Grabfunde von
Bene-Puszta, Teremia, Vereb, Pilis, Galgöcz und Szolyva, die sämmtlich im National
museum ausgestellt sind.
So läßt sich in den Sälen dieses Museums die ganze Völkerwanderungszeit an ihren
eigenen Denkmälern studiren, vom III. Jahrhundert angefangen ununterbrochen bis zu
Stefan dem Heiligen, — von Jahrhundert zu Jahrhundert, wie dies kein anderes
europäisches Museum darbietet.
Aus der Zeit der ungarischen Könige Ärpad'schen Geblüts, die mit dem rundbogigen
(romanischen) Baustil zusammenfällt, bilden das bedeutendste Denkmal des Museums
neun Platten einer mit Zellenschmelz verzierten goldenen Krone des byzantinischen Kaisers
Constantinns Monomachos (1042—1057), darunter insbesondere drei mit den Gestalten