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Stil entwickelt, den wir aus den Ketten, Anhängseln, Gürteln und Armbändern der
magyarischen Tracht kennen. Bemerkenswerth ist namentlich das Drahtemail und die
damit verbundene, fälschlich als „siebenbürgisches Email" bezeichnet« Emailtechnik, die eine
Eigenthümlichkeit Ungarns bildet und in auswärtigen Sammlungen nur ganz vereinzelt
vorkommt. Die großen Herren des Landes ließen um jene Zeit viel Schmncksachen aus
dem Ausland kommen. Prächtig sind insbesondere zahlreiche Anhängsel, Armbänder,
Halsketten, Ohrgehänge, wie sie im Ausland mehr in fürstlichen Schatzkammern als in
Kunstsammlungen zu finden sind. Unter den von auswärts eingeführten Tischgeräthen
sind besonders zu beachten: ein silberner Krug mit vier meisterhaft getriebenen Relief
gruppen zur Geschichte des verlorenen Sohns, sehr wahrscheinlich ein Werk des berühmten
Nürnberger Kupferstechers Hans Sebald Behaim; ferner ein getriebener Meisterkrug der
Nürnberger Goldschmiedezunft, wie sie die Goldschmiedgehilfen als Meisterstück zu liefern
hatten; dann zwei kirchliche Kannen von Großwardein aus der Zeit des Johann Vitez,
vermuthlich dortige Arbeit, und zwanzig Cocosnnßbecher, die nach der Umschiffung Afrikas
und der Entdeckung des Seewegs nach Indien bei den großen Herren Europas'schon der
Neuheit wegen beliebt und durch die vorzüglichsten Goldschmiede künstlerisch in Erz
montirt als Tischzierde gebräuchlich waren. Auch anderes Tafelgeräth, wie Löffel, Messer
und Gabeln, die erst um diese Zeit in Mode kamen — denn noch König Matthias nahm,
wie Jedermann, das Fleisch mit den Fingern aus der Schüssel — ist mit künstlerischem
Geschmack gefertigt; wir sehen dies im Museum, wo auch die Geschichte der Säbel, Sporen,
Zäume, Steigbügel, sowie der Schießwaffen durch umsichtig geordnete, aber des Raum
mangels wegen nicht gut genug aufgestellte Serien erläutert ist. Ungemein werthvoll sind
drei mit Reliefs verzierte Elfenbeinsättel aus dem XV. Jahrhundert, wie deren in ganz
Europa nur fünfzehn Vorkommen.
Zur Zeit der Gegenreformation, in der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts,
war die Kunst in fast ganz Europa vom Jesuitenstil beherrscht, von der Perücke, dem
Schnörkel, dem Muschelornament, der Scheu vor der geraden Linie. Eine Ausnahme
macht besonders Holland mit seinem naturalistischen protestantischen Baustil und ebenso
Siebenbürgen, wo Protestantismus und türkische Nachbarschaft es nicht zuließen, daß die
Künsteleien des Barokstils Wurzel faßten. Kein Fürst von Siebenbürgen trug die Perücke,
während jeder deutsche Herzog Ludwig XIV. und Leopold I. nachahmte, und die im
Museum befindlichen Schmucksachen, Prachtketten, Herren- und Damengürtel, Geschmeide
und Haarnadeln dieser Zeit unterscheiden sich durch ihren reinen, maßvollen ungarischen Stil
vortheilhaft von dem übertriebenen, schwülstigen Geschmack der damaligen deutschen und
französischen Goldschmiede. Nur das von Jahrzehnt zu Jahrzehnt zunehmende Muschel
ornament an den Gewandschnallen der siebenbürgischen Sächsinnen läßt den Einfluß des