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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 3

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indem er für die Seelenbedürsnisse der um ihn gescharten Gläubigen sargen wollte, zum 
Schriftsteller und Dichter, er übersetzte die Bibel, er erklärte die Thesen der neuen Religion, 
er gestaltete die alten Kirchengesänge um oder oerfaßte neue und bekämpfte mit Erbitterung 
die Katholiken, die — in seinen Angen — fortan nur noch Irrende waren. 
Jetzt trat die eigentliche Literatur zum ersten Mal dem Leben, dem gemeinen Volke 
näher, dessen Sprache sie redete und dessen ethische Auffassung sie neu zu gestalten wünschte. 
Zn diesem Zweck trachteten die protestantischen Schriftsteller vor Allem, dem Volke eine 
möglichst vollständige magyarische Übersetzung der Bibel zu schaffen. Wohl war die Bibel 
bereits im vorigen Jahrhundert zum großen Theile und wiederholt übersetzt, doch wurde 
sie nur in den Klöstern von den Mönchen benützt, während das Volk lediglich auf die von 
seinem Geistlichen gegebene Erklärung angewiesen blieb. Jetzt wurde die Bibel Gemeingut 
Aller. Zuerst gab Benedict Komjathy 1533 in Krakau die Briefe des heiligen Paulus 
heraus und acht Jahre später erschien die vollständige magyarische Übersetzung des Neuen 
Testaments von Johannes Sylvester, einem Schüler Melanchthons, der nachmals an der 
Wiener Universität Professor der hebräischen Sprache und Geschichte wurde, später jedoch 
Lehrer zu Debreczin und schließlich Prediger zu Leutschau war. In den Jahren 1589 bis 
1590 erschien die vollständige Bibel von Kaspar Käroli, Geistlichen zu Göncz und 
Senior des Kaschauer Thals, und zwar unter der Protection des Stefan Bathori von 
Ecsed in dessen Dorfe Vizsoly, daher denn die erste vollständige Bibelübersetzung, die in 
einigermaßen verbesserter Form noch jetzt von den Protestanten benützt wird und über 
hundert Ausgaben erlebt hat, die Vizsolyer Bibel genannt wird. Für die Katholiken hatte 
bisher nur Gabriel Mizser von Pest die Evangelien übersetzt und (1536) herausgegeben. 
Als die Bibel theilweise und schließlich vollständig übersetzt war, begannen auch die 
Glaubensfehden, einerseits zwischen Protestanten und Katholiken, anderseits zwischen den 
protestantischen Bekenntnissen. Zu besonderer Bedeutung sind die Streitschriften dieser 
Zeit nicht gelangt, doch ist es ihnen zuzuschreiben, daß die ungarische Prosa eine gewisse 
Ungesuchtheit und volksthümliche Kraft, ja sozusagen eine Art von Kunstmäßigkeit 
gewann, wie auch daß die sittliche Auffassung reiner, ernster, zugleich freilich rauher und 
nüchterner wurde. Emerich Ozorai war der Erste, der die Lehren der neuen und der 
alten Religion in einem 1535 erschienenen Werke einander gegenüberstellte; weit über 
troffen wurde es jedoch durch die Streitschriften des Matthias Birö von Deva über die 
Erklärung der zehn Gebote und der Glaubensartikel, die ihm den Namen des „ungarischen 
Luther" eintrugen. Noch bedeutender war Peter Melius, eigentlich Juhäsz von Horh, 
Prediger und Superintendent zu Debreczin und eigentlicher Begründer der reformirten 
Kirche, in dessen verschiedenen Predigten und Streitschriften die Gesunkenheit seiner Zeit 
mit mehr Kraft, Klarheit, Feuer und zugleich mit unwirscheren Farben gemalt war als
	        
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