Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 3

264

Wenn  ihm  all  der  Trübsinn  darob,  daß  er  die  Geliebte,  das  Vaterland  und  die  ritterliche
Laufbahn  verlassen,  in  ein  Gefühl  zusammenklingt,  strömt  er  es  in  wahrhaft  ergreifenden
Elegien  aus:
Muß  verbannt  ich  scheiden,  >  Gott,  führ'  du  mein'  Sach',
Muß  die  Heimat  meiden,  I  Gott,  führ'  du  mein'  Sach'!
In  den  Werken  Balassa's  spiegelt  sich  seine  ganze  Persönlichkeit:  der  vaterlandliebende ­
  echte  Magyare,  der  christliche  Degen,  der  tapfere  Soldat,  der  treue  Freund,  der
verliebte  Rittersmann,  der  tief  empfindende  Dichter.  Er  ist  ebenso  reich  an  Gedanken,  wie
an  Phantasie,  und  die  ungarischen  Dichtungsformen,  die  poetische  Sprache  zeigt  er  in  so
hoher  Entwicklung,  wie  Niemand  sonst  bis  ans  Ende  des  XVIII.  Jahrhunderts.  Kurz,
Balassa  ist  der  erste  Lyriker  der  alten  ungarischen  Dichtung,  sowie  Zrinyi  der  erste  Epiker
des  XVII.  Jahrhunderts.
III.
Das  XVII.  Jahrhundert  ist  das  der  Anspannung  der  Nationalkraft.  In  der  Literatur
wie  in  der  Politik  griff  die  Nation  zu  den  stärksten  Waffen,  um  ihr  Recht  mit  Gründen
jeder  Art  zu  stützen,  dadurch  den  Religionskämpfen  ein  Ende  zu  machen  und  das  Land
sowohl  von  der  Brandschatzung  durch  fremde  Söldner,  als  auch  vom  türkischen  Joch  zu
befreien.  Die  Nation  ermattete  oft  in  diesem  schon  viel  früher  begonnenen  Kampfe  auf
Leben  und  Tod  gegen  die  katholisch-deutsche  Partei.  Doch  stand  der  krieggewohnte  Ungar
stets  bereit  zum  unverhältnißmäßigen  Kampfe  und  seine  Tapferkeit  erntete  wieder  und
wieder  die  schönsten  Lorbeern.  So  endete  der  hartnäckige  und  erbitterte  politische  Streit
erst  zu  Anfang  des  XVIII.  Jahrhunderts,  als  1711  die  kuruczischen  Soldaten  Franz
Raköczys  II.  auf  dem  Majthenyer  Felde  die  Waffen  streckten,  und  so  lange  dauerte  auch
der  bewaffnete  Kampf  der  protestantischen  Religion.  Die  katholische  Kirche  hatte  auch  zu
den  Waffen  der  Neuerer  gegriffen,  sich  schon  zu  Ende  des  vorigen  Jahrhunderts  aus  ihrer
Benommenheit  aufgcrafft  und  dann  Schritt  vor  Schritt  die  Gebiete  zurückgewonnen,  welche
zuweilen  im  Siegesräusche  ohne  Anstrengung,  ja  oft  lediglich  durch  den  Zauber  der  neuen
^dee  erobert  worden  waren;  nach  dem  Wiener  Frieden  (1606)  standen  alte  und  neue
Kirche  ungefähr  auf  gleicher  geistiger  Machthöhe.
L>o  änderte  sich  die  Färbung  der  Literatur.  Das  Schriftthum  des  vorigen  Jahrhunderts ­
  ist  im  Ganzen  und  Großen  protestantisch,  das  des  XVII.  Jahrhunderts  unverkennbar ­
  katholisch,  weil  die  Anhänger  der  katholischen  Idee  an  der  Spitze  der  neuen
Bewegung  einhergingen,  die  heftigsten  literarischen  Schlachten  durchkämpften  und  auf
literarischem  wie  gesellschaftlichem  Gebiete  die  größten  Triumphe  errangen,  oft  ans  eigener
Kraft,  oft  mit  offenbarer  Unterstützung  des  Herrschers  und  der  Regierung.  So  konnte  auf
den  Sieg  der  Glaubensneuerer  jene  Reaction  folgen,  welche  die  Literatur  parallel  mit  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.