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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 3

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Am 27. September 1884 wurde das königlich ungarische Opernhaus bei 
Anwesenheit Seiner Majestät des Königs mit großer Feierlichkeit eröffnet. Der damalige 
Intendant Baron Friedrich Podmaniczky leitete das neue Institut zwei Jahre lang, ihm 
folgte Graf Stefan Keglevich, dann Franz Beniczky, und neuestens wurde Graf Geza 
Zichy zum Intendanten der königlich ungarischen Oper und des Nationaltheaters ernannt. 
Die neuere dramatische Künstlergeneration, die dritte seit Eröffnung des Theaters, 
besteht aus folgenden Kräften: Marie Jaszay (tragische Darstellerin), Laura Helvey 
(Salonheldin), Sidonie Rakosi (komisches Fach), Emilie Markus (dramatische Heldin), 
Therese Csillag (Luftspielnaive), Serena Fäi (jugendliche Heldin), Frau Jolanthe 
Vizväri-Szigeti (junge ungarische Frauen und ältere komische Figuren), Emerich Nagy 
(Heldenliebhaber), Bercsenyi (ernste Väter), Ujhäzi (Lustspielcharaktere), Vizvari (Komiker), 
Molnär (der bei Eröffnung des Volkstheaters das Nationaltheater verließ). Diese dritte 
Generation, nebst einigen Wackeren aus der zweiten (Josef Szigeti, Feleki, Naday, den 
Damen Cornelia Prielle, Feleki, Szathmary, Lendvay) erreichte größtenteils die fünfzigste 
Jahreswende des Instituts, ergänzt durch die Allerjüngsten, die den Grund zur vierten 
Generation legen werden und unter denen Csäszär, Dezsö, Gyenes, Mihälyfi, Gabanyi, 
Zilahy, das Ehepaar Szacsvay, Marie Hegyesi, Irma Alszegi, Jbolya Nagy, Frau 
Tolnai und Andere die hervorragenden sind. 
Nach dem Tode Szigligetis, der als Secretär, Regisseur, Director stets ein 
großer Factor gewesen, übernahm Eduard Paulay die Direction des Nationaltheaters; 
er tritt in die Spuren seines Vorgängers und wendet seine Sorgfalt besonders an die 
Organisation und Erziehung des Personals, sowie an die Pflege der klassischen und 
Originalwerke. 
In den Achtziger-Jahren riß der Tod des vorzüglichen Bonvivants Halmi eine 
große Lücke. In diesem schlichten, hagern Menschen vereinigten sich Liebenswürdigkeit, 
Elasticität, Tiefe des Gemüths, Feinheit des Vortrags. Frau Paulay starb, die treffliche 
Darstellerin edler, würdevoller Mütter; Frau Molnär, unvergleichlich als muntere junge 
Frau, wurde durch Krankheit gezwungen der Bühne zu entsagen. Trotzdem gelang es bei 
fortwährender Ergänzung des Personals, Studienreisen der Mitglieder im Ausland, 
zielbewußtem, gewissenhaftem Streben der Leiter und Geleiteten, eine so erfreuliche 
Entwicklung herbeizuführen, daß die Vorstellungen, besonders hinsichtlich des Zusammen 
spiels, jetzt schon mit dem Maße der ersten Weltbühnen gemessen werden. 
Seit der Begründung des Nationaltheaters bekam das Schauspielwesen im ganzen 
Lande einen starken Anstoß. Comitate, Städte und Private wetteiferten im Werke der 
Unterstützung und Festigung. Von 1830 an wußten viele geschickte Directoren die besseren 
Talente um sich zu gruppiren, der Reihe nach erhoben sich im Lande ständige Bühnen und
	        
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