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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 3

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Nachdem wir über dieses einzige, auf die Entwicklung der Kunstmusik bezügliche 
Beispiel berichtet, können wir auch hinsichtlich der Drucke nichts thun, als ein gleichfalls 
einziges Beispiel anführen, das, in Anbetracht der Kostspieligkeit der Drucksachen zu jener 
ungünstigen Zeit, vermnthlich ohne Concurrenz geblieben ist. Unter solchen Verhältnissen 
konnte den Ausfall nur ein Dichter decken, den die Sorge um das liebe Brot nicht plagte, 
der unabhängig seiner Musikleidenschast leben konnte und bei der Herausgabe seiner 
Werke nicht vom hohen Clerus oder dem geschäftsmäßigen Verleger abhing, sondern aus 
den seinem Rang entsprechenden reichen Mitteln frei schöpfen konnte. Mitten in der 
stürmischen Zeit zu Anfang des XVIII. Jahrhunderts steht ein solcher ungarischer Magnat, 
der Palatinus Fürst Paul Eszterhäzy, als einziger Vertreter der kunstmäßigen Kirchen 
musik in Ungarn. Der fürstliche Komponist und Herausgeber wollte, indem er seine Werke 
drucken ließ, vielleicht auch seinen eigenen schriftstellerischen Ehrgeiz befriedigen, jedenfalls 
aber war er als starke Säule der Kirche nicht minder von der Überzeugung durchdrungen, 
daß er in jener öden Zeit auch der Sache seiner Religion nützen werde, und dazu war er 
durch den Gehalt seiner Werke wohl berechtigt. So veröffentlichte er denn seine Schriften 
vermischten Inhalts unter dem Titel: »Huchuouiu duolestis, sau Nelockiaa Llusiauo 
Par Oacursuiu totius unui acktiibauäaa nck usum ülusieoruiu autkora Paulo 8aeri 
Homaui Iiupsrij principe pstoras äe Oalaulim, kle^ui Hun^arias Palatino, Xnno 
voinini LIVOOXI. (Ohne Ort)." Der glänzend ausgestattete Folioband von 302 Seiten 
hat außer dem obigen noch zwei Titelblätter; das eine enthält ein Bild mit der Dar 
stellung der himmlischen Harmonie, das andere das Eszterhäzy'sche Wappen mit der 
Devise: ,pro veo, Us^e et patria". Den Inhalt bilden 55 Solo-, zwei-, drei- und 
vierstimmige Gelegenheitsgesänge mit verschiedenartiger Instrumental-, Orgel-, ja selbst 
Orchesterbegleitung. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß das Werk, obgleich für den 
allgemeinen Gebrauch (aä usuiu ruusicorum) bestimmt, nicht in den großen Verkehr 
gelangen konnte, da der Fürst durch seinen am 26. März 1713 zu Eisenstadt erfolgten 
Tod an dessen Verbreitung verhindert wurde. Die Harmonia Oaalsstis zeichnet sich, 
bei ihrem inneren Werth, auch noch durch das Magyarische des Stils aus. Ihre schonen 
Lieder wären noch jetzt genießbar. So beispielsweise ein Wiegenlied mit Begleitung 
von zwei Violinen und Orgel, als Schlummerlied Marias an der Wiege des Jesus 
kindes gedacht. Wegen seiner Länge sei hier nur eine Probe, der Anfang der Melodie, 
mitgetheilt: 
Our - kle8, rle 
inri - re,
	        
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