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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 3

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In- und Auslandes veranstaltete und einzelne derselben zur Verlosung unter seinen 
Mitgliedern erwarb. In der ersten Reihe dieser wackeren Männer stand der junge August 
Trefort, der spätere Cultus- und Unterrichtsminister. Noch näher liegt uns der Zeitpunkt, 
da in den öffentlichen Urkunden der Verwaltung oder in den Reichsrathsverhandlungcn 
zum ersten Male die Worte „Bildende Kunst" Vorkommen, allein nicht etwa, als ob irgend 
ein gewaltiges Denkmal errichtet werden sollte, sondern blos um ein paar kümmerlich 
gebetteten idealistischen Kunstjüngern eine Staatsunterstütznng für eine Studienreise zu 
gewähren. Dies galt damals schon für Reform und wurde in den ersten Jahren der jungen, 
von neuem Geiste durchwehten parlamentarischen Regierung nicht mit Unrecht als eine 
Errungenschaft von principieller Bedeutung betrachtet. 
Damit aber begann die planmäßige, vom Staat unterstützte Pflege der Künste noch 
nicht. Vor zwanzig Jahren erst wurde, auf die Anregung Gustav Keletis, die erste Fach 
schule der bildenden Künste eröffnet, bei der übrigens auch noch das Hauptaugenmerk auf 
die gründliche Ausbildung von Zeichenlehrern als auf das dringendste Bedürfniß gerichtet 
war. Und noch zehn Jahre später, sozusagen erst gestern, begann die erste Meisterschule 
für Malerei ihre Thätigkeit, wo unter der Leitung eines dem Ausland wieder 
abgewonnenen ungarischen Meisters, des trefflichen Julius Benczür, wenigstens zehn bis 
zwölf begabten jungen Zöglingen die höhere künstlerische Ausbildung geboten wird. All 
das, was neuerdings die von den besten Absichten geleitete Regierung zur Förderung der 
einheimischen Kunst thut und opfert, geschieht in den Richtungen, welche das weiter fort 
geschrittene Ausland gewiesen, jedoch den Verhältnissen und den Rücksichten auf den stark 
belasteten Staatsschatz angemessen, in viel bescheidenerem Umfange. Glücklicherweise ist, 
durch das hohe Beispiel des Monarchen geweckt, auch in der Gesellschaft schon eine wärmere 
Theilnahme an den Kunstinteressen und Knnstbedürfnissen des Landes erwacht, und dies 
macht sich bereits in fördersamer Weise geltend. Unstreitig hat sich die Lage in vieler 
Hinsicht gebessert. Das Publikum könnte die Kunstausstellungen, deren Umfang und innerer 
Werth übrigens stetig wächst, nicht mehr missen, die gesellschaftliche Stellung der Künstler 
hat sich gehoben und ihr Ehrgeiz wird auch durch die nach und nach rege werdende 
Anerkennung des Auslandes gesteigert; allen Zweigen der Kunst strömen junge Talente 
immer zahlreicher zu. 
Würde man heute, vom rein eultnrgeschichtlichen Standpunkte, eine Kunstausstellung 
veranstalten blos als Rückblick auf ein halbes Jahrhundert, so ließe sich noch mancher 
Name vor Vergessenheit retten, dessen Träger einst zu den Bahnbrechern gehörte. Auch 
leben noch, von Jedermann hochgeachtet, einige Künstler-Veteranen, deren Mittheilnngen erst 
einen richtigen Begriff geben von der Bescheidenheit der Kunstzustände Ungarns gegen Ende 
der Dreißiger-Jahre. Auf Grund dieser lebenden Überlieferung und der in den öffentlichen
	        
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