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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 3

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Gärtner, Goldarbeiter, Kürschner, Maurer, Metzger, Modisten, Schlosser, Schmiede, 
Schneider, Schuhmacher, Spengler, Tapezierer, Tischler, Uhrmacher, Zimmermaler u. s. w. 
Man hört fortwährend sagen, Ungarn sei hauptsächlich ein Land der Rohproduction 
und seine Industrie sei unentwickelt. Es ist Thatsache, daß die letztere noch nicht ans so 
hoher Stufe steht, als sie sowohl nach der Productions-, wie der Consumkraft des Landes 
stehen müßte oder konnte; allein es läßt sich trotzdem behaupten, daß die Ungarn auch 
industriell weiter vorgeschritten sind, als sie selber es oft genug verkünden, und daß gewisse 
Industriezweige des Landes sich selbst mit der ausländischen Industrie messen können, ja 
manche Industrien, gerade weil sie vornehmlich in ungarischem Boden wurzeln, auf einer 
sehr hohen Stufe der Entwicklung stehen und sich eines Weltrufes erfreuen. So beweisen 
auch die oben angeführten und die neuesten statistischen Daten, daß die Industrie sogar in 
der Hauptstadt größer und stärker ist, als die Einwohner selbst in der Regel glaubten 
oder behaupteten. Ohne die Kaufläden, Creditinstitute und Verkehrsunternehmnngen zu 
rechnen, sind nur die auf hauptstädtischem Gebiete bestehenden Fabriken und größeren 
Industrieanlagen 371 an der Zahl und beschäftigen insgesammt 37.456 Menschen. 
Beginnen wir mit der Mühlenindustrie als einem der ansehnlichsten und ältesten 
Industriezweige der Hauptstadt, sowohl hinsichtlich der Wassermühlen, die noch vor 
wenigen Jahrzehnten den Donauspiegel zwischen den Schwesterstädten bedeckten, als auch 
im Hinblick auf die Dampfmühlen, diese gewaltigen Fabriken, deren Übermacht den 
Spielraum der Schiffsmühlen, welche das Gepräge des Kleingewerbes trugen, nothwendig 
immer mehr beschränkt hat. Es ist der ausgezeichneten Qualität des ungarischen Weizens 
zu danken, daß dieser Industriezweig hier heimisch wurde und erstarkte. In dieser Beziehung 
nimmt die ungarische Hauptstadt den ersten Platz in der Monarchie ein und das Mehl 
ihrer Mühlen hat im internationalen Wettbewerb noch auf jeder Ausstellung, wo es 
erschien, die höchste Auszeichnung errungen. Die erste Dampfmühle wurde freilich nicht in 
der Hauptstadt, sondern an der Westgrenze des Landes, in Ödenburg errichtet; doch war 
dieser erste Versuch nicht lebensfähig und so muß trotzdem die Josefs-Walzmühle in 
Budapest, welche zu Ende der Vierziger-Jahre erbaut wurde und, unter fachkundiger 
Leitung immer mehr erstarkt und vervollkommnet, noch jetzt besteht, als die erfolgreiche 
Bahnbrecherin auf diesem wichtigen und seither im ganzen Lande glücklich gepflegten 
Industriegebiete betrachtet werden. In der Hauptstadt weisen heute fünfzehn Dampsmühlen 
mit ihren gewaltigen Schloten auf die Kraft dieses Industriezweiges hin, der den berühmten 
Lllahlweizen des ungarischen Bodens mit den neuesten, unablässig vervollkommneten 
Apparaten verarbeitet und mit Hilfe der ihm zur Verfügung stehenden Eisenbahn- und 
Schiffsverbindungen das ungarische Mehl in allen Theilen der Welt bekannt und berühmt 
gemacht hat.
	        
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