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die katholisirende Richtung im Zenith stand. Dabei zeichnete er sich auch durch Gewandt
heit und Rechtsknndigkeit, wie nicht minder durch ein gewinnendes Äußere und taktvolles
Benehmen aus. Besonders stark war er in einer Kunst, die er für die höchste hielt und
die der Jesuit Gracian beinahe mit denselben Worten ausgedrückt hat, in der Kunst, „zu
machen, daß unsere Vorgesetzten, deren wir bedürfen, unser bedürfen". Er kam rasch vor
wärts, wurde 1732 Baron, bald darauf Personal und Präsident der königlichen Tafel,
1743 Graf, endlich königlicher Kammerpräsident. Allein seine Habsucht übertraf noch
seinen Ehrgeiz. Nach seiner Äußerung ist das Geld der Tröster der Betrübten, der ver
trauenswürdigste Freund und Helfer des Menschen, lind das Schicksal erfüllte seine
Wünsche nach beiden Richtungen. Der einstige Bettelstudent starb als Kronhnter, sein
Sohn erlangte bereits den Titel, der seinen fürstlichen Besitzungen entsprach.
Es gereicht ihm zum Lobe, daß die Entwicklung seiner Individualität mit der der
Verhältnisse, die ihn so hoch hinantrngen, gleichen Schritt hielt. Nach seinen eigenen Aus
zeichnungen nahm er seit 1727 kein „Honorar" mehr an. In jüngeren Jahren mag sein
geistiger Gehalt nicht größer gewesen sein, als er damals in Fünfkirchen und Tyrnau zu
erwerben war. Später, als königlicher Personal und noch mehr als großer Vermögens
gründer, weiht er sich in das mannigfaltige Gewebe des ungarischen Gesetzlebcns gründlich
ein. Als die Gunst des Herrschers und eigenes Verdienst ihn immer höher heben, muß er
an Reichthum, Bildung und feiner Lebensführung mit seinen Rangsgenosscn wetteifern;
durch Talent und Liebenswürdigkeit weiß er diese Magnaten dahin zu bringen, daß sie ihn
nach kurzem Zögern als Gleichgestellten anerkennen. Dabei ist er vorsichtig und ruhmbegierig
genug, um auch selber sich fortwährend ans seine geringen Anfänge zu berufen und ans
den sichtbaren Beistand Gottes, der ihn so hoch erhoben. Das Töpfchen des Bettelstudenten,
das er in Gold gefaßt als Reliquie aufbewahrte und auch Maria Theresia zeigte, und die
inbrünstige Verehrung, die er der heiligen Jungfrau von Besnyö erwies, gehören nicht
minder zu seinem Charakterbilde als das gewandte und schonungslose Zusammenraffen großer
Latifundien und die zu Ehren der Kaiserin in Gödöllö veranstalteten feenhaften Feste.
Damals war Pest bereits Sitz der obersten Gerichtshöfe des Landes. Grassalkovich
fand es angemessen, als hochgestellter Mann nicht immer in der Stadt zu wohnen und
dennoch in der Nähe zu bleiben; so konnten die Leute ihn aufsuchen, ohne ihn immer zu
beobachten, und er konnte sich nach Belieben von ihnen zurückziehen. Dazu nun paßte ihm
Gödöllö vortrefflich und so baute er dort jenes Schloß, das damals im Lande kaum seines
gleichen hatte.
DasGödöllöerLchloß ist in demdamals herrschendenfranzösischen Geschmack errichtet.
Ans abschüssigem Boden gelegen, konnte es sich sozusagen bnrgartig ausbauen und der untere
Park verlief in die Waldung, welche die ganze Gegend bedeckte. Auch hatte der Schloßherr