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sind in die Manern der rechts und links anstoßenden Häuser eingebaut. Dieses Kunstdenkmal
ist unzweifelhaft römischen Ursprungs, obgleich keine verläßlichen Daten die Annahme
einiger Schriftsteller (Marbourg, Marsillii u. A.) unterstützen, daß dieser Ban das Sieges
thor des römischen Kaisers Claudius II. gewesen sei, der, nachdem er im Jahre 269 n. Chr.
die Ostgothen aus Istrien vertrieben, durch diese Pforte seinen Triumpheinzug gehalten
habe. Wahrscheinlich ist nur, daß auch dieses Thor ein Bestandtheil jenes langen römischen
Steinwaües (rrmro rornano) gewesen, dessen Trümmer sich in geringer Entfernung
oberhalb Fiumes etwa 35 Kilometer weit in nordwestlicher Richtung bis an die krainerische
Grenze hinziehen und der, seiner Construction nach, ein gegen die Barbaren errichtetes
Befestigungswerk gewesen sein mag.
Unweit dieses Thores, neben der knppelgedeckten Domkirche, ist noch jetzt, obgleich
verbaut und dadurch versteckt, die Citadelle (Lustollo) der alten Festung Fiume vor
handen; sie hat einst als Rathhans gedient. Eine aus dem Jahre 1691 stammende
Inschrift über ihrem Thore berichtet über die Ausbesserung der Citadelle. Ihre kleine Glocke
stammt, nach der Inschrift, die sie trägt, aus dem XIV. Jahrhundert; das Volk nennt sie
noch jetzt ,eampa.ria äsi Mrimi«, weil sie nur bei dem Tode eines Mitglieds der alten
Patrizierfamilien geläutet wird. Jetzt sind im Castellö die königliche Staatsanwaltschaft
und deren Gefängniß untergebracht. Seine oberen starken Wälle sind noch vorhanden
und durch Denktafeln mit lateinischem Text aus den Jahren 1706 und 1708 bezeichnet.
Am westlichen Ende der Gomila steht das Haus des Munizipiums von Fiume,
mit öffentlichen Ämtern und einer Sammlung von meist römischen Alterthümern, die in
der Stadt und den Umgebungen gefunden wurden. Vor dem Gebäude, auf der Piazza
Munizipale, steht ein Flaggenmast, von dem die roth-gelb-blaue Tricolore der Stadt weht;
er ist ein aus Karststein gehauenes Denkmal der Republik Venedig und ihrer hiesigen
kurzen Herrschaft. Der Stein stammt aus dem Jahre 1508 und war einst mit dem aus-
gehanenen Bilde des geflügelten Löwen geschmückt, unter welchem Venedig folgendes
geduldige Distichon eingraben ließ:
Xomine sub nostro tutao reqnieseito Wirtes,
^.rbitrii vestri ^uiäMick lladstis eilt.
Die Verse sind noch jetzt vorhanden, der Staat Venedig jedoch ist schon seit hundert
Jahren verschwunden und sein Wappen wurde nach der Rückerwerbung auf Geheiß der
österreichischen Regierung weggemeißelt, nur das Bild Sanct Veits (San Vito), des
Schutzheiligen von Fiume, ist darauf erhalten geblieben. Die Inschrift am unteren Theil
der Säule erzählt das Schicksal des geschichtlichen Denkmals und dessen Wiederherstellung
im Jahre 1765. Übrigens ist dieser Steinbrocken der einzige, der das Andenken der hier
nur kurzlebigen Herrschaft Venedigs bewahrt hat.