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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 4

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der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts nacheinander neu aufgebaut. Die Stuhl 
weißenburger Königskirche begann im Jahre 1318 die Reihe, im XIV. Jahrhundert 
folgte Gran, dann Fünfkirchen und Veßpr^m. Auf das Ende des XV. Jahrhunderts fällt 
der Neubau der Raaber Kathedrale, von dem sich nur die spätgothischen Rippen und 
Gurtbogen des Gewölbes erhalten haben. Dasselbe Jahrhundert sah den Neubau der 
Martinsberger, dann zur Zeit Johannes Hunyadi's wiederum den der Grauer und unter 
Matthias Hunyadi den der Stuhlweißenburger Kirche. König Matthias ließ überdies zu 
Stuhlweißenburg für sich und seine Familie eine prächtige Grabkapelle errichten. Auch 
diese war, wie aus Bonfins Beschreibung hervorgeht, ein gothischer Bau. Dies waren 
ohne Zweifel die hervorragendsten, wiewohl nur aus Berichten bekannten Schöpfungen, 
welche die von Mitte des XIII. bis Ende des XV. Jahrhunderts währende Epoche in dem 
Lande jenseits der Donau hervorgebracht hat. 
Die meisten gothischen Kirchen in diesem Landestheile wurden, von der Festung 
Ofen abgesehen, in Ödenburg erbaut. Dieses Zusammentreffen ist nicht das Werk des 
Zufalls. Die Festung Ofen wurde durch Bela IV. nach dem Tatareneinfall gegründet, 
Ödenburg aber, das durch den Böhmenkönig Ottokar II., den gefährlichsten Landesfeind 
nach den Tataren, viel gelitten hatte, wurde um dieselbe Zeit wieder aufgebaut. Keines 
von beiden war ein älterer Bischofsitz und an beiden Orten begann das dort angesiedelte 
bürgerliche Element die Bauthätigkeit. 
Im Außentheile Ödenburgs, auf einer geringen Anhöhe, wo es einst seinen Begräbniß- 
platz hatte, neben dem jetzigen Friedhofe stehen nahe bei einander die Pfarrkirche zu 
St. Michael und die dem heiligen Jakobus geweihte Doppelkapelle, deren unterer 
Theil als Beinhaus gedient hat. Es ist schwer zu entscheiden, welcher Bau der ältere 
ist. Beide stammen aus der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts und haben bedeutende 
Umgestaltungen durchgemacht. Das Beinhaus hat den Charakter seiner Entstehuugszeit 
besser bewahrt. Sein Grundriß mit einem regelmäßigen Achteck, dem sich gegen Osten das 
Sanctuarium mit dreiseitigem Abschluß angliedert, dann die in den Wänden ausgehöhlten 
spitzbogigen Nischen deuten auf gothische Kunstübung. Hingegen stehen die Details des 
Aufbaues dem Geschmack der Übergangszeit näher, so namentlich: der stumpfe Spitzbogen 
der Thüre, die über einfachemSockel aufsteigende Wand, die durch Lisenen inFelder getheilt 
ist, die gleichfalls stumpfen Spitzbogen des Gewölbes, die in den Ecken stehenden Schäfte 
von Halbsäulen, deren attischeFüße und lanbgeschmückteCapitäle, die einfachen Rippen des 
Gewölbes. Das Relief im Bogenfeld der Thüre: ein belaubter Baum, an dessen Stamm 
unten zwei Aug' in Aug' stehende Löwen nagen, entspricht in der Ausarbeitung ganz dem 
Charakter der romanischen Kunst. Die Kapelle bildet durch diese Eigenschaften gleichsam ein 
Verbindungsglied zwischen der Übergangs- und der gothischenBaukunst jenseits der Donau.
	        
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