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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 4

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Am  1.  Juni  1552  besetzte  Ali  Pascha  von  Ofen  die  Veste,  die  er  nach  einer  harten
Belagerung  von  zwei  Wochen  dnrch  schändlichen  Verrath  der  Vertheidiger  gewonnen
hatte.  Der  Berg,  auf  dem  die  Veste  steht,  ist  viel  steiler  als  der  Ofner  Festungsberg  und
sie  war  gehörig  mit  Wällen  versehen.  Ihr  Hauptthor  ging  nach  dem  jetzigen  Marktplatz,
Ivo  sie  gegen  die  Stadt  hin  auch  jetzt  offen  ist.  Doch  hatte  sie  rückwärts  hinter  der  großen
Kirche  noch  ein  wohlbewachtes  Diebspförtlein,  das  ins  Buhin-Thal  hinabführte.  Der
Commandant  Johann  Paxy  —  nach  Einigen  ungarischer,  nach  Anderen  deutscher
Abstammung  —  hatte  wohl  auf  einem  seiner  Streifzüge  den  Hamsa  Beg  angegriffen  und
ihm  200  Mann  niedergemacht,  als  er  aber  nun  die  Forderungen  des  darüber  erbosten
Ali  Pascha  vernahm,  ließ  er  seinen  Posten  und  die  Festung  im  Stich  und  entfloh  nach
Österreich.  Diesmal  blieben  die  Türken  zwölf  Jahre  lang  Herren  der  Stadt.  Am
24.  Juni  1564  wurde  sie  durch  Salm,  den  Commandanten  von  Raab,  nach  kurzem,
aber  blutigem  Kampfe  znrückerobert.  Bei  dieser  Belagerung  verübten  Franz  Török,
Burghauptmann  von  Päpa  und  Ladislaus  Gyulaffy,  Bnrghauptmann  von  Tihany,  mit
ihren  Contingenten  Wunder  der  Tapferkeit.
Am  8.  October  1594  wurde  die  Veste  wieder  türkisch.  Der  Großvezier  Sinan
Pascha  belagerte  sie  mit  einem  gewaltigen  Heere.  Der  Commandant  war  wieder  ein
Fremder,  der  Italiener  Speciacasa.  Während  der  Belagerung  entfloh  er,  wurde  jedoch  von
den  Türken  eingeholt  und  sofort  niedergemacht.  Der  Vice-Commandant  Wolfgang
Tarnöczy  kämpfte  unerschrocken  bis  ans  den  letzten  Mann  und  starb  gleich  Niklas  Zrinyi
den  Heldentod  in  der  Vertheidigung  seiner  Festung  und  seines  Vaterlandes.  Lange  indeß
konnten  die  Türken  den  Platz  auch  diesmal  nicht  behaupten,  er  wurde  einige  Jahre  später
(1598)  durch  die  Generale  Pälffy  und  Schwarzenberg  wiedergewonnen.
Der  Reichstag  des  Jahres  1608  erließ  die  strenge  Verordnung,  daß  der  Festungscommandant
  von  Veßprem  kein  Fremder,  sondern  ein  Ungar  zu  sein  habe.  Die  Stünde
ergingen  sich  in  bitteren  Anklagen  gegen  Paxy,  Lamberger,  Laskano,  Aldana,  Lusthaar,
Speciacasa,  Hardeck,  Paradeiser,  Öttingen  und  andere  fremde  Commandanten.
Allein  selbst  unter  den  Türken  hatte  Veßprem  nicht  so  viel  gelitten  als  am
23.  Mai  1704.  Die  Veste  war  von  Knrutzen  unter  Oberst  Baböcsay  besetzt,  die  aber  im
Gefühle  ihrer  Schwäche  vor  dem  starken  Heere  Sigbert  Heisters  die  Flucht  ergriffen.
Und  obgleich  die  Zurückgebliebenen  die  Veste  übergaben  und  Heister  ihnen  einen  Schutzbrief ­
  ausstellte,  fielen  doch  seine  deutschen  und  raizischen  Söldner  über  die  Stadt  her,
plünderten  die  Kirchen  und  Häuser  aus,  metzelten  die  Männer  nieder,  vergewaltigten  die
Frauen,  schlachteten  an  den  Altären  Menschen,  verwundeten  den  Großprobst  tödtlich,
ermordeten  einen  Probst-Canonicus  in  der  Kirche,  banden  die  Domherren  nackt  an  Pferde
und  schleiften  sie  vor  Heisters  Angesicht,  bis  sie  schließlich  alle  öffentlichen  Gebäude,
            
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