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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 4

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des unter diesem Namen angelegten Kanals durch die Feneker Weide in den kleinen 
Plattensee ab. 
Der kleine Plattensee (Kis-Balaton) ist ein Fortsatz des Plattensee's und hängt 
südlich von Keszthely auf eine Entfernung von sieben Kilometer durch die Feneker Enge 
mit dem Plattensee zusammen. Seine größte Länge beträgt etwa sechs, seine größte Breite 
etwa vier Kilometer. Er enthält ungeheure Strecken von Röhricht, in denen zahlloses 
Wassergeflügel haust, während sein Gewässer von einem beispiellosen Reichthnm an 
Lmmpfsischen wimmelt. In seiner Mitte gibt es auch einige Erhebungen, die bei niederem 
Wasserstande eine Insel bilden. Die Ufer sind ringsum schilfiges, gestrüppbedecktes, 
mooriges Sumpsland und saure Wiesen. Drei Kilometer vom See liegt Zalavär, im 
Thale des Zala-Flüßchens und des Plattensee's aus einer durchfeuchteten Ebene, welche 
durch die Haine des Zala-Flnßchens und des Plattensee's gebildet wird. Zwischen diesen 
beiden Hainen lagert sich ein schmaler, kaum l'/r Kilometer breiter und kaum 10 bis 
12 Meter über die Flüche des Plattensee's erhobener Rücken, der einst nach West, Ost und 
Süd von undurchdringlichem Sumpf umgeben war. Einst trug er auch eine Burg, von 
der jedoch keine Spur mehr zu finden ist. Zalavär ist in vieler Hinsicht der wichtigste und 
interessanteste Punkt des Comitats. Es hat diesem den Namen gegeben und ist die älteste 
christliche Gründung im Comitat. Gegen das Jahr 840 oder 850 entstand in dieser 
Gegend, durch den slavischen Herzog Privina und dessen Sohn Koczel organisirt, ein 
Herzogthum, das eine gewisse Unabhängigkeit genoß. Die Residenz Privina's war 
Mosaburk, das ist Zalavär. In Mosaburk bestand schon um 850 eine Kirche des 
heiligen Adrianus. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß sie schon durch Karl des 
Großen Sohn Pipin oder um das Jahr 800 durch die Salzburger Kathedralkirche 
gegründet wurde. Stefan der Heilige nimmt im Jahre 1019 ihre Neugründung vor 
und stiftet, abermals zu Ehren des heiligen Adrianns, eine mit reichen Schenkungen 
ausgestattete Benediktinerabtei. Auch Ladislaus der Heilige wendet ihr seine Fürsorge 
zu, sie besitzt seit 1250 ein Landesarchiv und war als beglaubigter Ort thütig. Etwa 
200 Jahre lang blieb sie von schweren Schicksalen verschont, hatte aber um 1440 viel 
von den steirischen Abenteurern zu leiden, die oft über die Grenze brachen und ihre 
Güter verheerten. Sicherheit gegen diese fand sie endlich durch Ladislaus Nadasdy, 
Großvater des späteren Palatins, der die Raubritter grausam züchtigte und zersprengte. 
Im Jahre 1568, nach dem Falle Szigethvärs, wird die Abtei durch die Türken verheert, 
doch gelingt es beizeiten, das Archiv nebst dem von Kapornak nach dem Kapitelort Eisen 
burg (Vasvar) zu retten. Als im Jahre 1600 Kanizsa verloren ging, war vorderhand 
gar nicht an die Anfrechterhaltnng der Abtei zu denken, der Reichstag von 1601 
und seine Nachfolger verfügten also die Befestigung des Platzes. Der Reichstag des
	        
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