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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 4

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Die  weibliche  Tracht  ist  mehr  der  Mode  unterworfen  und  recht  hübsch.  In  früherer  Zeit
war  ein  tischtnchartiges  Laken  charakteristisch,  das  an  Feiertagen  statt  des  großen  Umschlagtuches ­
  getragen  wurde.  An  Wochentagen  trägt  man  sich  weit  einfacher.  Frauen  wie  Mädchen
haben  einen  langen,  einfach  gemusterten,  oben  in  Falten  gezogenen  und  am  oberen  Rande
mit  einem  12  bis  15  Centimeter  breiten  Koller  (Saum)  eingefaßten  Rock,  der  am  Werkeltag ­
  auch  mit  dem  Inneren  nach  außen  getragen  wird.  Der  Kragen  wird  an  sieben  Stellen
halbkreisförmig  eingeschnitten  und  durch  Fischbeine  steif  erhalten.  Das  Wochentagshemde
aus  weißer  Leinwand  oder  farbigem  Stoff  ist  an  der  Brust  spitzenartig  ausgeschnitten  und
ausgenäht;  Sonntags  wird  ein  Hemd  ans  Battistleinwand  angelegt.  Im  Winter  kommt
darüber  ein  kurzes,  rückwärts  niit  einer  Bandschleife  verziertes  Jäckchen  ans  schwarzem
Stoff  oder  Sammt.  Das  Kopftuch  wird  nicht  unter  dem  Kinn,  sondern  hinten  gebunden.
An  den  Füßen  trägt  man  Stiefeln,  aber  noch  häufiger  feine,  verzierte  Schuhe.  Die
wendischen  Frauen  schnitten  sich  früher,  wenn  sie  heirateten,  das  Haar  dicht  ani  Kopfe  ab.
den  sie  dann  mit  einem  roth-bunten  sezartigen  Käppchen  (poeiliea,  noch  früher  pociu)
bedeckten.  Auch  diese  Tracht  ist  bereits  selten  geworden  und  außer  Mode.  Die  jungen
Frauen  können  sich  nach  Belieben  kämmen.  Im  Winter  trugen  Männer  und  Frauen  als
Schutz  gegen  die  Kälte  einen  bis  ans  Knie  reichenden  anliegenden  Pelz  aus  schwarzem
Lammfell  (koüi).  der  jedoch  bereits  dem  billigeren  Tuchrock  gewichen  ist.  Männer,  die  vom
Militärdienste  heimgekehrt  sind,  tragen  gerne  Mütze  und  Rock  des  Soldaten  weiter.
Die  Häuser  sind  meist  rechtwinklig  gebaut,  so  daß  der  eine  Schenkel  des  rechten
Winkels  sich  mit  den  Fenstern  der  Stube  nach  der  Straße  öffnet.  Der  Stoff,  aus  deni
gebaut  wird,  ist  Holz.  Spritzmörtel  oder  Backstein.  Namentlich  ans  Spritzmörtel  wissen
sie  sehr  geschickt  Wände  zu  errichten,  so  daß  sie  zu  diesen  Arbeiten  auch  in  die  benachbarten
magyarischen  Gegenden  berufen  werden.  Der  Straße  wendet  sich  die  Wohnstube  zu.  deren
Thüre  sich  nach  dem.  oft  von  Säulen  gestützten  Hausgang  öffnet.  Der  ärmere  Wende
haust  in  einem  Zimmer,  der  bemitteltere  hat  zwei,  selbst  drei  zur  Verfügung.  An  die
Stube  stößt  die  dunkle,  rußige  Küche,  deren  Rauch,  da  das  Haus  keinen  Rauchfang  besitzt,
oft  nur  durch  die  Thüre  entweichen  kann.  Durch  die  Küche  gelangt  man  in  die  Kammer.
Am  anderen  Schenkel  des  rechten  Winkels  liegt  nach  rückwärts  hin  die  offene  xosata.
In  dieser  steht  die  zum  Brechen  der  Hirse,  des  Haidekorns  und  Maises  gebrauchte  slopa.
Der  Stall  und  schließlich  die  Scheune  bilden  den  Abschluß  des  Gebäudes.
Die  kleinen,  dunklen  Stuben  sind  recht  überfüllt  mit  einfachen,  unbequemen  Möbeln
und  dem  ungeheuren  Ofen.  Ein  oder  zwei  fichtenhölzerne  Betten,  unbemalt  oder  geblümt,
thürmen  sich  mit  ihrem  Bettzeug  bis  zur  Decke  hinan;  in  die  eine  Ecke  ist  der  Tisch  gestellt,
etliche  Stühle  und  Truhen  bilden  den  übrigen  Hausrath.  Zwei  Seiten  des  Tisches  entlang
stehen  an  zwei  Wänden  die  Bänke.  Nach  Bedarf  kommen  als  weitere  Mobilien  die  Wiege
            
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