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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 4

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gleichem Schnitt, hier ändert sie sich in jeder Gegend, bei jedem Schlag Menschen, sie 
schwimmt in Farben und zeigt Formen von künstlerischer Erfindung. Dort wird den 
Leuten der Tag immer zu kurz, hier stehen sie Einem selbst in heißester Arbeitszeit 
bereitwillig Rede. Dort schleppt die Frau, aber nur die arme, ihr schweres Bündel in ein 
Leintuch geschlagen ans dem Rücken, hier schwingt sich Reich und Arm den großen Korb 
mit dem Mittagessen oder das Schaff Wasser auf den Kopf und schreitet aufrecht, stramm 
und rasch, die Arme hin und wieder pendelnd oder auch nachlässig gesenkt, bergauf und 
bergab. Dort fährt Dich Dein Fuhrmann Meile auf Meile, ohne ein Wort, ohne eine 
Bewegung, die reine Maschine, hier geht ihm während der ganzen Fahrt das Wort nicht 
aus und er preßt Dir ein Staatsgeheimniß nach dem andern ab. Dort trifft man ans 
Erde gestampfte, aus Luftziegeln gefügte, fast nnverzierte, aber stets mit Kalk geweißte 
Häuser und kahle, mit primitiven Zäunen umfangene Höfe, hier erheben sich geschmackvoll 
angeordnete, auf größere Bequemlichkeit berechnete Wohnstätten mit säulengetragenem 
Hausgang, mit wohlumgitterten, baumbewachsenen, blumenreichen Binnenhäfen. Dort 
dehnen sich Puszten, eine halbe Provinz groß und mit Gehöften bestreut, hier wetteifern 
mit den Dörfern die Kellerreihen, die über den Häuserreihen entlang ziehen. Dort besteht 
der „Berg", wie der Alföldmensch selbst die geringste Bodenerhebung titnlirt, aus einer 
Kette von Sandhaufen, hier sagt man erst „Berg", wenn die Steilheit der Wege den 
Radschuh einznhängen zwingt. Dort heißt schon ein Busch gleich „Wald", hier gilt der 
Wald erst als solcher, wenn er den Flächenraum einer Dorfgemarkung bedeckt. Dort gibt 
es Rohrsümpfe, durch Junengewässer genährte Teiche, Moore und allenfalls auch 
Wasseradern, hier besteht das Wassersystem aus Bächen, Wehren und natürlichen 
Kanälen. Dort sieht man hagere, fleischlose, wenn auch trefflich laufende Pferde, mageres 
Rindvieh und einen gewöhnlichen Schlag Schafe, hier sind Pferde und Rinder feist 
gemästet, aber nicht für das Joch, sondern für das Bargeld des Marktes. Dort ist keine 
Spur mehr von dem alten Feudalwesen, die herrschaftlichen Puszten verschwinden 
förmlich unter den ausgedehnten Bauerngütern: hier liegen große Herrschaften, sitzt eine 
Menge mittlerer und höherer Adel und die Gemeinden haben noch ihre Urbarial- 
verfassnng. Dort flehen, halbe Tagereisen von einander, große, volkreiche Ortschaften, 
hier wimmelt es von kleinen Dörfern, die einander anrufen können und gegenseitig ihren 
Hahnenschrei hören. Dort herrscht ein mehr wechselndes, hier ein mehr gleichmäßiges 
Klima. Dort sind Mensch und Natur einfacher und ungehobelter, hier gekünstelter und 
zutraulicher. 
Dieses schöne Ländchen enthält, wie gesagt, drei Comitate: Tolna, Somogy und 
Baranya. Tolna und Baranya gehen in der Geschichte meist Hand in Hand und haben 
auch das gleiche Schicksal; noch unzertrennlicher sind sie im Sprichwort, denn „wer Tolna
	        
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