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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 4

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durch  gewinnsüchtige  Berechnungen  entwickelte  Sparkasse;  die  städtische  Bürgerschaft  und
der  Adel  des  Comitats  besitzen  hübsche  Häuser  und  Schlösser,  unter  denen  das  gethürmte
Schloß  der  Freiherren  von  Augusz  hervorragt,  einst  eine  Stätte  der  Kunst  und  Lieblingsruheplatz ­
  Franz  Liszt's;  über  Alles  stattlich  aber  steht  am  Hauptplatze  die  durch  Bela  I.  dem
Erlöser  geweihte  Kirche,  deren  Verhältnisse  und  innere  Ausstattung  den  Besucher  überraschen.
Vor  hundert  Jahren  war  sie,  sammt  der  Stadt,  völlig  niedergebrannt,  der  Wiederaufbau
gab  ihr  die  heutige  Form.  Alles  in  Allem  ist  also  Szegzärd  eine  Stadt,  die  sich  von  ferne
schön  ansieht  und  bei  näherer  Bekanntschaft  auch  einen  angenehmen  Eindruck  macht.
Das  Interesse  des  ganzen  Landes  knüpft  sich  an  Szegzärd,  weil  hier  in  staatlichem
Betriebe  eine  Seidenraupenzucht  und  Mikroskopiranstalt  besteht;  in  dem  großen,  zum
Mikroskopiren  eingerichteten  Saale  beschäftigen  sich  über  fünfhundert  Arbeiterinnen  still,
aber  wohlgelaunt,  mit  der  Untersuchung  der  Seidenraupeneier.  Die  eine  Gruppe  hat  die
Aufgabe,  die  in  Gazesäckchen  befindlichen  Schmetterlingspaare  nach  Pasteurs  Methode
mikroskopisch  zu  beobachten,  da  nur  die  Eier  von  gesunden  Thieren  zu  verwenden  sind.
150  Mikroskope  sind  in  Thätigkeit  und  führen  im  Laufe  des  Sommers  etwa  10  Millionen
Untersuchungen  aus,  durch  welche  Zahl  das  Institut  unter  sämmtlichen  ähnlichen  in
Europa  die  erste  Stelle  einnimmt.  Es  bestreitet  nicht  nur  den  gesammten  Bedarf  Ungarns
an  Seidenraupeneiern  in  der  Höhe  von  2000  Kilogramm,  sondern  hat  auch  eine  Ausfuhr
nach  Süd-Frankreich  und  Salonichi.  Dieses  Institut  hat  die  Seidencultur  in  Ungarn
begründet,  wobei  die  Coconproduction  von  2000  Kilogramm  auf  eine  Million  stieg  und
bisher  insgesammt  10  Millionen  Gulden  dem  Volke  als  Verdienst  zufielen,  und  zwar
größtentheils  solchen  Arbeitskräften,  die  zu  anderen  Leistungen  untauglich  sind,  und  zu
einer  Zeit,  wo  andere  Arbeit  nicht  zu  haben  ist.  Die  Zahl  der  Züchter  steigt  von  Jahr  zu
Jahr  und  sie  liefern  im  Durchschnitt  jährlich  eine  Million  Kilogramm  Seide,  was  ebenso
vielen  Gulden  Brutto-Ertrags  entspricht.  Diese  Entwicklung  ist  das  Verdienst  Paul
Bezeridy's,  der  die  Anstalt  in  mustergiltiger  Weise,  mit  großer  Opferwilligkeit  und
Fachkenntniß  leitet;  in  der  Anstalt  ist  er  Aufseher,  Lehrer  und  Controlor  zugleich,
außerhalb  derselben  fördert  er  ihr  Interesse  aneifernd,  antreibend,  begeisternd,  anbahnend,
agitirend  im  ganzen  Lande.  In  einigen  sauber  gehaltenen  Sälen  des  Oberstockes  befindet
sich  ein  Museum  mit  den  die  Seidenzucht  des  Landes  darstellenden  Karten,  allen  zur
Zucht  gehörigen  Geräthschaften  und  Einrichtungen,  sowie  einer  Serie  von  Präparaten,
welche  das  kurze  Leben  des  dem  Luxus  zuliebe  civilisirten  Thierchens  in  allen  seinen
Veränderungen  darstellen;  das  Ei,  die  Raupe,  der  Falter  sind  da  in  den  verschiedenen
Momenten  ihrer  Entwicklung,  in  gesundem  und  krankem  Zustande  zn  sehen.  Mit  der
Civilisation  geht  die  Krankheit  Hand  in  Hand,  auch  bei  der  Seidenraupe.  Da  lernt  man
denn  in  vielfach  vergrößerten  Gyps-  und  Wachsdarstellungen  die  Lebensthätigkeit  und
            
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