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von Masovien. Das ist Alles, was uns aus der Ferne der Vergangenheit zuwinkt, aber
ohne ein Wort zu sprechen.
Um so beredter ist die Gegenwart. Zwischen den ausgedehnten Puszten der großen
Herrschaften und den sorglich gepflegten Gütchen der Bauerndörfer finden sich zahlreiche
„moderne Burgen"; schmucke Schlösser stehen auf den Besitzungen draußen oder in den
Dörfern, von schattigem Laubwald oder wohlgepflegten Lusthainen umgrünt. Da und dort
erblickt man die Stammsitze und Landhäuser des hohen und mittleren Adels, deren Erker
und Thürme die Landstraße entlang schimmern oder von Hügeln auf Flüsse niederblinken.
Die Seele liest diese steinernen Buchstaben, die Phantasie erblickt in so manchem einen
Gesang Vergils, der in Prachtband auf Elfenbeinpapier Idyllen erzählt oder ein Georgicon
lehrt und Überliefertes von alten Erinnerungen — nrraa, virumgua — weiter vererbt.
Das Tolnaer Comitat nahm in den politischen, gesellschaftlichen, wirthschaftlichen und
Culturbewegungen Ungarns eine vornehme Stellung ein. Die liberalen und conservativen
Ideen gewannen in den Sälen des Szegzarder Comitatshauses zum erstenmal bestimmte
Form; unter scharfen, ja blutigen Kämpfen, unter dem nervenerregenden Tosen der
„Tolnaer Hochzeitsweise", empfingen hier die ungarischen Tories und Whigs die Bluttanfe
und in dieser die Namen Pecsovics und Kubinßki. Dort kämpften Csapö, Sztankovänßky,
der große Kunstmäcen und selbst Künstler Anguß, der alte Perczel, der von seinen zwölf
Söhnen begleitet in die Sitzungen ging, dann die Familien von Paks, Uzd, Borjad, der
Adel von Duna-Szent-György. Diese Edelleute verfügten über wenig Mittel und hielten
schlecht zusammen, doch ihr lebendiger Pnlsschlag, ihre scharfe Debatte, ihr schöpferischer
Verstand und die Liebe zum Vaterlande schufen trotzdem in kurzer Zeit so manche Insti
tution, die ihnen ein achtungsvolles Andenken sichert. So die schon erwähnte Tolnaer
Comitats-Sparcasse, die Kanalanlagen, das humane Gefängnißsystem, vor Allem aber
jenen liberalen Geist, der im Tolnaer Comitat, in der Seele Stefan Bezeredj's einen
seiner ersten Altäre fand. Schön von Worten und noch schöner von Thaten, ein Patriot
und Staatsmann, ein großer Menschenfreund, war Bezeredj ein Mann, dem die damalige
Satire für den Fall, daß er zur Regierung gelangen sollte, ein eigenes Portefeuille, als
Minister der Philanthropie, zuwies. Er war der Bannerträger der gleichmäßigen Ver
teilung aller Staatslasten und handelte auch danach. Er war der erste freiwillige
Selbstbesteuerer, der mit seinen Hörigen einen Erbablösungsvertrag schließt, sie freigibt
und eine Puszta mit freien Menschen bevölkert. Er bepflanzt eine Puszta mit Maulbeer
bäumen, richtet eine kleine Seidenspinnerei ein, fördert durch Beispiel und Aneiferung
diesen neuen Industriezweig, während bis dahin der Maulbeerbaum nur an Straßen-
sänmen und in Dorfkirchhöfen kümmerlich vegetirt hatte und Seidenraupen blos von
Schuljungen zum Spaß gefüttert worden waren. Er gab das hochherzige Beispiel und