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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 4

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keiner Stadt, denn er bezog seine Luxusartikel von den erwähnten außerhalb gelegenen 
Märkten und führte auch sonst ein einfaches Leben; die größeren Herren aber wohnten 
in Wien oder über Wien hinaus. Das Bauernvolk machte sich, mit Ausnahme des „Szür" 
(Lodenmantels) und Hutes, alle seine Kleider selbst; die Classe der Gewerbetreibenden 
aber hatte, mit Ausnahme des angeseheneren Szürschneiders und Hutmachers, nichts zu 
thnn, arbeitete also mit der Hacke in Weingarten und Maisfeld. 
Eine Kirche und Volksschule aber gibt es in jedem Dorfe; das Banernkind macht 
seine sechs Classen durch. Allein dem guten Losonczi gilt das nicht als Wissenschaft. Diese 
beginnt bei ihm mit dem Cornelius Nepos. Und so kannte die Welt das Somogycr 
Comitat zu Anfang dieses Jahrhunderts blos dem Namen nach und aus einem unfreund 
lichen Reimpaar. Wem wäre es eingefallen, der Erfahrung halber eine Reise durch ein 
Comitat ohne Städte zu machen, dessen gesummtes Interesse bei Szigetvär begann und 
auch endete? Und wenn es doch Einer durchstreifte, so kam er voll Voreingenommenheit 
und ging mit noch mehr Vorurtheilen von dannen; er hielt sich gleichsam für verpflichtet, 
seine Erfahrungen in möglichst pikanter Weise verbrämt und aufgebläht zu verbreiten und 
wunder was zu berichten von ungewohnter Volkstracht, ungewohntem Dialect und 
ungewohnten Waldungen. Denn Wald in Wald war da Alles, tiefschattige Buchen 
bestände und finstere Eichen wechselten mit schauerlichen Birkendickichten. So zeigt sich 
die Gegend unten längs der Drau von Zäkäny bis Szigetvär und im Osten das ganze 
Zselicz und noch weiter oben gegen Csoknya, Meßtegnye und Karad hin der ganze 
Strich bis zum Plattensee hinauf. 
Zur Zeit der Belas waren diese Waldungen das Reich der königlichen Herden, 
geradeheraus gesagt: der Schweineherden. In den an die Drau stoßenden Wäldern von 
Udvarhely, unterhalb von Berzencze, hausten die königlichen Schweinehirten, ja der 
Name des Dorfes (— Hofstatt) läßt sogar schließen, daß die Belas selber hier häufig 
ihre Zelte anfschlagen ließen; wenigstens ist dies durch eine Urkunde Bela's III. von 1193 
bewiesen.' Das ist alles königlicher Familienbesitz, Urs. sribrlleorurn rsgiorum. Die 
königlichen Schweinehirten dienten dem landflüchtigen Bela IV. sogar als Geleit von 
Segesd bis Dalmatien. 
Und in der That war dieses Waldland wie geschaffen für königliche Schweinehirten; 
auch lebten deren Nachkommen, ohne freilich viel von den alten Überlieferungen zu wissen, 
nicht viel anders, als königliche Sauhirten gelebt hätten, und machten sich selber ihre 
Privilegien, die sie in den Wäldern von Agarev, Szenta, Zsitva und Atäd aufrecht 
erhielten. 
Fortgesetztes Nichtsthnn oder Sehrwenigthun zwang ihre Urkraft, sich die Langweile 
durch Raufen,Beilwurf, Kletter- und Schlupfkünste, verwegene Anschläge nndGewaltthaten,
	        
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