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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 4

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Betrachten  wir  die  Bauweise  des  Somogyer  Volkes,  so  dürfen  wir  nicht  vergessen,
daß  wir  uns  in  einem  Lande  mit  viel  Wald  und  gar  keinem  Gestein  befinden,  diese  beiden
Eigenschaften  treten  denn  mich  in  seiner  Baukunst  hervor.  In  neuerer  Zeit  ist  man  freilich
dahinter  gekommen,  daß  der  Somogyer  Thon  mit  Aufwand  von  etwas  Holz  in  vorzüglichen ­
  Stein  verwandelt  werden  kann,  auch  hat  die  Ziegelfabrikation  im  ganzen  Comitate
einen  großen  Aufschwung  genommen;  da  zeigt  sich  denn  bei  den  Neubauten  weit  mehr
Comfort  und  Eleganz  als  je  zuvor.  Ein  Vorzimmer,  ein  Gastzimmer,  Thurmbetten  mit
Bettzeug  bis  unter  die  Stubendecke,  statt  der  umlaufenden  Bank  ein  Divan,  im  Tellerschrank ­
  Porzellangefäße  statt  der  alten  glasirten  Kannen  und  Schüsseln:  das  ist  die  Einrichtung ­
  der  Neuzeit;  vom  Alten  ist  außen  nur  der  luftige  Hausgang  und  innen  der
Webstuhl,  dieser  Königinnenstnhl  des  Jnner-Somogyer  Volkes,  übrig  geblieben.  Die
Häuser  dieses  Schlages  ragen,  ja  stechen  grell  hervor  aus  der  Reihe  der  eigenartig
geformten  Urväterwohnnngen,  die  mit  dem  stumpfen  Giebel  ihres  Daches,  dem  auf
Holzfäulen  ruhenden  Vordach  und  dem  einzigen  Fenster  dem  Vorübergehenden  mürrisch
nachstarren.  Viele  dieser  Häuser  haben  geschlagene  Lehmwände,  die  aber  der  „Jnner-Somogyer"
  Mensch  als  unhaltbar  geringschätzt.  Er  hat  sein  Haus  so  gebaut,  daß  es
auf  seinen  Grundbalken  Jahrhunderte  lang  stehen  bleiben  wird,  wenn  es  nicht  etwa
abbrennt.  Abbrennen  aber  kann  es  nicht,  denn  er  hat  ihm  keinen  Schornstein  aufgesetzt,
der  sich  entzünden  könnte.  Haus,  Ställe,  Scheune,  Alles  hat  er  auf  einem  Grund
von  derben  Eichenbalken  aufgebaut;  in  diese  Grnndbalken  hat  er  eichene  Säulen
eingefalzt,  die  Zwischenräume  der  Säulen  mit  Flechtwerk  ansgefüllt  und  dieses  dann
mit  Lehm  verschmiert;  schließlich  hat  er  dem  Bau  einen  Dachstuhl  aufgesetzt  und  ihn
gar  geschickt  und  sauber  mit  einem  guten,  warmhaltenden  Strohdach  eingedeckt.  Einen
Schornstein  hat  er  nicht  gebaut,  denn  da  wäre  ja  die  Küche  kalt  gewesen.  Die
Wälder  gestatten  ihm  den  Luxus,  seine  grünglasirten  Kachelöfen  mit  hartem  Holz
zu  Heizen.  Vor  dem  Hause  streckt  sich  der  Hausgang  mit  seinen  hölzernen  Säulen  und
auch  die  Gassenseite  hat  eine  solche  offene  Halle,  deren  Holzfäulen  das  verlängerte  Dach
tragen.  Bei  einem  eleganteren  Bau  würde  ein  feinerer  Herr  dies  eine  Veranda  nennen,
der  Somogyer  Mann  nennt  es  nur  xitnr  (Vorhaus)  und  empfängt  darin  Sonntags  seine
Nachmittagsgesellschaft.  Seine  Scheune  hat  er  mit  größerer  Sorgfalt,  ja  mit  mehr  Luxus
gleichfalls  auf  Eichenbalken  und  Säulen  errichtet,  ihre  Wände  aus  dicken,  gezinkten
Eichenbrettern  gefügt  und  sie  ist  weit  höher,  geräumiger  und  luftiger  als  sein  Wohnhaus,
denn  es  soll  seine  gesammten  Futtervorräthe  fassen.  Nach  der  Scheune  folgt  der  Stall
und  in  manchem  das  Wappen  des  ungarischen  Bauern,  die  vier  Ochsen,  die  Kühe  meistens
paarweise  und  auch  Pferde  in  jedem,  gesunde,  gut  gehaltene  Racepferde,  auf  die  der
Mann  von  Somogy  stolz  ist.  Wie  denn  nicht!  In  Somogy,  auf  dem  Rasen  von  Hetes,
            
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