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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 4

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Die eine, die den Zwecken des Straßenverkehres dient, ist 6 5 Meter breit und hat 
überdies einen 3 Meter breiten Gehweg; die andere, für die Bahngeleise bestimmte, ist 
4'4 Meter breit. Die mittlere große Öffnung der Brücke hat eine solche Höhe erhalten, 
daß die größten Schiffe selbst bei dem höchsten Wasserstande ungehindert hindurchfahren 
können. Die untere Kante dieser mittleren Öffnung liegt nämlich 6 5 Meter hoch über dem 
Niveau des stärksten bisherigen Hochwassers (6 95 Meter über Null) vom Jahre 1883. 
Der Bau kostete dem Staate l,460.000 Gulden, zu deren Amortisirung die Stadt Preßburg 
insoferne beitrug, daß sie am 5. November 1888 das Recht der Brückeumauth dem Staate 
überließ. Salesius Cathry war der Erbauer der Brücke, doch wurde die Eisenconstruction 
durch die Maschinenfabrik der ungarischen Staatsbahnen hergestellt. Der Bau begann im 
Mai 1889 und die eine Hälfte, nämlich die Brücke für die Fahrstraße, wurde am 
30. Dccember 1890 in Gegenwart Seiner Majestät des Königs feierlich eröffnet, die 
Eisenbahnbrücke aber im Frühjahre 1892 dem Verkehre übergeben. 
Die Donau ist bei Preßburg vom Schloßberg bis zur ehemaligen Schiffbrücke auf 
270 Meter zusammengedrängt und verbreitert sich etwa 570 Meter weiter unten ans 410 
Meter. An dieser breiteren Stelle wurde die Franz Josephs-Brücke erbaut, die mit Recht den 
Stolz der Stadt bildet. Die Ufer der Donau haben durch die ganze Stadt hin eine 
Bekleidung. Das linke Ufer ist vom Schloßberg angefangen bis zu jener Verbreiterung des 
Strombettes mit einer abschüssigen Pflasterung versehen, die durch eine Pilotenmauer 
gestützt wird; am rechten Ufer dagegen, dem der „Au", ruht die Pflasterung ans einem 
einfachen Steinwurf. Am linken Ufer, zwischen der einstigen Schiffsbrücke und der stehenden 
Brücke, befinden sich der Hafen und die Kohlenmagazine der Donau-Dampfschiffahrts- 
gesellschaft, dann die Lagerplätze der Holzhändler, kurz auf diesem Ufer concentrirt sich 
der Schiffsverkehr und überhaupt aller Wafferverkehr Preßburgs. 
Von Preßburg abwärts erweitert sich die Gegend plötzlich nach beiden Seiten. Vor 
uns dehnt sich das sogenannte Preßburger Becken oder kleine Alföld hin, mit seinem 
lockeren Schwemmboden, den in früherer Zeit das Wasser der Donau gleichfalls mit 
unbändiger Laune durchraste, in zahllose größere und kleinere Arme zerfasert, auf einer 
Strecke von 99 Kilometer und, von zwei größeren Armbildungen des Stromes abgesehen, 
stellenweise in einer Breite von über 5 Kilometer als ein vollständiges Wassernetz über 
lockeren Kiesboden geworfen, in dem fast bei jeder Änderung des Wasserstandes neue 
Betten für neue Strömungen, neue Sandbänke und Inseln entstanden. Unser Schiff fuhr 
dahin wie durch eine Wildniß Amerikas, es wich hier behend aus und schwenkte dort vor 
sichtig ab, um sich durch ein förmliches Flußlabyrinth hindurchzutasten, und das Steuer 
lag in den Händen eines höchst gewandten, mit den Stromverhältnissen durchaus ver 
trauten Lootsen, ohne den das Fahrzeug gar leicht auf irgend eine neugebildete, verstohlen
	        
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