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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 4

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die bei Steinamanger gelegene Kirche von St. Martin nebst allen ihren Benefizien dem 
Dominicanerorden. Während der Kämpfe des XVII. Jahrhunderts wurde Steinamanger 
durch die Schaaren des Fürsten Bocskay zerstört. 1710 wurde es durch eme furchtbare 
Pest und bald darauf durch häufige Feuersbrünste verheert. Die Begründung seiner 
Schulen dankte es (1776) dem Raaber Bischof Franz Zichy, der hier ein vierclassiges 
Gymnasium errichtete; es wuchs bald auf sechs Nassen und wurde später mit dem 
Lyceum vereinigt. Noch im vorigen Jahrhundert hatte die Stadt eine feste Burg und war 
mit einem Mauerring umgeben, dessen fünf Thore in die Gyöngyös-, Kößegi- (Günfer), 
Forrö-, Kis- und Nagy-Kar-Gasse mündeten. Das jetzige Steinamanger steht sozusagen 
auf den Trümmern des alten Sabaria und dehnt sich größtentheils zwischen den Bächen 
Güns und Prenten aus. Seine Lage ist reizend. Im Westen von mäßig hohen 
Rebenhügeln umfaßt, hat es im Osten den Blick über die blühende Ebene. Ringsum 
locken schattige Banmgänge zum Spaziergang. Auch an Ausflugsorten fehlt es nicht. Im 
Norden bilden die Günser Berge einen schönen Hintergrund. Die Einwohnerzahl beträgt 
sammt dem Militär 17.129; meist Römisch-Katholische. Unter den hervorragenden 
Gebäuden steht die monumentale Donckirche voran. Sie hat eine prächtig gewölbte Kuppel, 
von Meisterhand gemalte Deckenfresken und Altarbilder, auch eine große Orgel. Sie steht 
an der Westseite der Stadt, zwischen dem Seminar und dem bischöflichen Palais. Ihre 
Rückseite verdeckt das Asyl der invaliden Geistlichen. Die auf einem breiten Platz stehende 
Facade ist im Erdgeschoß, wie im oberen Stockwerk durch eine Säulenreihe gegliedert. 
Die Kirche ist in Kreuzform angelegt und ihre Wände sind mit rothem Stuckmarmor 
belegt. Längs dieser Wände erheben sich auf etwa anderthalb Meter hohen Sockeln Reihen 
korinthischer Säulen aus dem nämlichen Material. Der Hochaltar hat echte Marmor 
säulen. Die Capitäle und Basen der Säulen sind reich vergoldet. Ihre Restaurnung 
ist soeben im Zuge. Die Kirche enthält zehn Altäre. Das Bild am St. Stephansaltar 
ist ein Meisterwerk Dorfmeisters. Auf einem anderen Ware steht ein Glassarg mit 
den Reliquien des heiligen Placidus. Auch eine Partikel des heiligen Kreuzes, ein 
Geschenk des Cardinalbischofs Herzan, wird in der Kirche verwahrt. Im Chore, dem 
bischöflichen Stuhle gegenüber, hängt die Bekehrung Pauli, ein vorzügliches Gemälde 
von Ricci. Es heißt, die Franzosen hätten es, als sie 1809 in der Stadt waren, 
mitnehmen wollen und nur auf inständiges Bitten zurückgelassen. Der Bau der Kirche 
wurde 1791 durch den in Rom erzogenen Bischof Szily begonnen, die innere Ausstattung 
1821 durch Leopold Somogyi beendet. Hier produzirte im Jahre 1880 Adolf Knnc, 
Prälat von Csorna, damals Professor zu Steinamanger, bei Gelegenheit des m dieser 
Stadt abgehaltenen ungarischen Naturforschertages, den Foucault'schen Pendelbeweis für 
die Rotation der Erde.
	        
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