404
größere Investitionen die Production steigern. Südwestlich vom Leithagebirge befinden
sich zwei Lignitlager, beide fürstlich Eszterhazy'scher Besitz. Das eine, bei Neufeld (Lajta-Ujfaln),
ist 2'857 Quadratkilometer groß und liefert etwa eine Million Metercentner
jährlich. Das andere, südöstlicher in der Gemarkung von Pötsching (Pecsenyed) gelegen,
ist nicht mehr ansgebeutet, da es namentlich bei Regenwetter durch einstürzende Sandmasfen
verschüttet wird.
In der Hügclgegend wie in der Ebene findet sich stellenweise vorzüglicher Lhon,
der sich für Backsteine und Gefäße eignet. Im vorigen Jahrhundert wurden zu Eisenstadt
sehr hübsche Majolikagefäße verfertigt, doch ist diese Kunst in Vergessenheit gerathen.
Vortrefflicher Thon kommt in Stoob (CsLva) vor, wo mit Unterstützung der Regierung
eine Schule für Thonindnstrie errichtet wurde. Die hier fabrizirten Gegenstände sind so
hübsch und dauerhaft, daß sie guten Absatz finden. In der Raabau betreibt Dör die
Töpferei nach alter Art. Den bedeutendsten Aufschwung jedoch hat die Thonindustrie in
der Stadt Ödenbnrg genommen, wo zahlreiche Dampfziegeleien im Betrieb stehen und etwa
zehn Millionen Mauer- und Dachziegeln jährlich Herstellen. Als Specialität hat Ödenburg
die dunkel-braungrün emaillirten und glasirten Dachziegel,die mit 250 Gulden da» Lausend
bezahlt werden. Ihr Hauptmarkt ist in Nieder- und Oberösterreich und Steiermark.
In der Berg- und Hügelgegend des Ödenburger Comitats gibt es auch Mineralquellen,
unter denen neuerdings die von Sauerbrunn (Savanyuviz) am Fuße des
Rosaliengebirges sich einen Namen gemacht hat. Sie ist ein alkalischer, schwacher, nicht
viel freie Kohlensäure enthaltender Eisensäuerling. Die schöne Lage und gesunde Luft
ziehen von Jahr zu Jahr mehr Gäste, besonders aus dem nachbarlichen Österreich, heran
und sie lassen sich hier hübsche Landhäuser bauen. Als heilkräftig, namentlich gegen Gicht,
ist ferner die der Stadt Ödenburg gehörige Schwefelquelle von Wolfs (Balf) bekannt.
Auch die schöne Lage sichert ihr starken Zuspruch. Ferner hat Leitha-Prodersdorf
(Lajta-Pordany) eine warme Schwefelquelle, neben der noch eine kalte entspringt; sie
wird wegen Gicht, Nervosität und Frauenleiden viel besucht. Die ergiebigen Schwefelquellen
von Groß-Höflein (Nagy-Höfläny) und Gschieß (Sercz) werden blos zum
Trinken benützt. Kleinere Schwefelquellen kommen im Wald von Schattendorf (Somfalva)
und an mehreren Uferpunkten des Neusiedler See's vor. Als Tafelwasser ist das alkalische,
ziemlich viel freie Kohlensäure enthaltende Deutsch-Kreutzer (Nemet-Keresztur) so
beliebt, daß es selbst in Budapest und sogar in Österreich getrunken wird. Bei Magenkatarrh
thut es gute Dienste. Die sonst noch im Gebirge und am Seeufer vorkommenden
Mineralquellen sind nur in der nächsten Umgegend bekannt.
Sämmtliche Bergzüge des Comitats sind durch verhältnißmäßig kurze, daher steile
und tiefe Querthüler gekennzeichnet, die den Hauptgrat in zahlreiche seitwärts vorspringende