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Sv erhielt die Stadt Ödenburg die Hälfte dieser Mauth vvn den Königen Bela IV.,
Stefan V. und Ladislaus IV., um dafür die Stadtmauern anfznbauen, beziehungsweise
wiederherzustellen, und in diesem Nutzgennß wurde sie durch Andreas III. und Karl Robert
bestätigt. Nach alledem muß der damalige Verkehr auf dem See sehr lebhaft gewesen sein,
was nur denkbar ist, wenn der See damals wirklich ein schmales Wasser war; seit seiner
Füllung in neuerer Zeit war er nämlich eher ein Verkehrshinderniß und belebte sich erst
im Winter, wenn er so fest gefror, daß er Fuhrwerk aushielt.
Um die Mitte des XVI. Jahrhunderts sank der Wasserstand so, daß es sogar Wien
merken mußte, da die sonst wöchentlich verkehrenden Fischfnhrwerke aus der Seegegend
ansblieben. Im Jahre 1568 wurde eine Commission entsendet, um den Grund dieses
Sinkens festzustellen; als solcher wurde ermittelt, daß die Witwe Thomas Nädasdy das
Wasser der Rabnitz nicht mehr, wie früher, in den See, sondern flußabwärts fließen lasse.
Die Deputation rieth also der Hofkammer, für den Abfluß der Rabnitz in den Neusiedler
See zu sorgen, damit dieser sich wieder fülle und den Wiener Fischmarkt versorge.
Auch im XVIII. Jahrhundert trat niederer Wasserstand ein; 1738 konnte ein
Böttcher aus Rußt den See durchwaten. 1804 stieg er wieder, von 1855 an jedoch begann
er neuerlich zu fallen, bis 1866 das Wasser völlig schwand. Nun begann eine starke
Efflorescenz von Soda und Glaubersalz, dessen Staub der Wind weit ins Land trug.
Allein schon 1869 zeigte sich wiederum Wasser und 1876 war das Seebecken bereits fast
ganz gefüllt, ja in den ersten Achtziger-Jahren voller als je. Von 1886 an sank das
Wasser neuerdings, und um so rascher, je mehr die Rabnitzregnlirung fortschritt. Schon
im Winter 1892 bis 1893 war es so niedrig, daß der See bis auf den Grund zufror, so
daß alle Fische zu Grunde gingen. Gegenwärtig plant nian seine völlige Entwässerung,
was aber keinen besonderen Vortheil für die Gegend bedeuten würde, da nach Dr. Josef
Szabö der ackerfähige Boden nicht mehr als 60 Quadratkilometer ausmacht, die übrigen
270 Quadratkilometer aber völlig unbrauchbares Land wären. Nach der Ansicht des
Geologen Ludwig Telegdi-Röth wäre die völlige Trockenlegung sogar schädlich für den
Wein- und Ackerbau der Gegend.
Das ausgetrocknete Seebett wird jetzt archäologisch durchforscht, wobei auf der
Ödenbnrger Seite, etwa 2000 Schritt einwärts vom alten Ufer ein Gebiet entdeckt
wurde, wo Scherben von römischen Gefäßen und Ziegeln haufenweise zu finden sind. Ans
der Ostscite, in der Gemarkung von Szeplak, wurden etliche 100 Schritt einwärts vom
Ufer römische Backsteingräber gefunden. Am südlichen und südöstlichen Ufer und seewärts
davon findet man häufig Gegenstände ans der Steinzeit, namentlich geschliffene Stein
meißel und Äxte. Biele schlossen daraus auf Pfahlbauten, doch ist diese Frage noch nicht
zu lösen.