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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 4

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Das  Kleingewerbe  ist  zwar  in  allen  seinen  Zweigen  vertreten,  doch  entsprechen  die
Erzeugnisse  qualitativ  und  quantitativ  nur  dem  localen  Bedürfniß.  Die  Hausindustrie  ist
ziemlich  lebhaft  und  mannigfaltig.  Am  stärksten  wird,  besonders  am  Neusiedler  See  und
Hansag,  das  Flechten  von  Binsenmatten  betrieben,  die  auch  eine  recht  gute  Ausfuhr  haben.
Hauptort  dieser  Industrie  ist  Wüst-Somerein  (Pnßta-Somorja)  nebst  Umgegend,  mit
rein  magyarischer  Bevölkerung.  Zn  Beginn  dieses  Jahrhunderts  prodncirten  einige
Gemeinden  am  Neusiedler  See,  z.  B.  Valla  und  Gols  (Gälos)  auch  Soda,  das  hat
aber  längst  anfgehvrt.  Auch  die  Gewässer  des  Comitats  sind  heute  nicht  mehr  so  nutzbringend ­
  wie  einst,  denn  der  Neusiedler  See  ist  neuerdings  zurückgegangen.
Im  Westen  ist  das  Comitat  durch  die  große  Donau  begrenzt.  Von  dieser  zweigt
sich  oberhalb  Ragendorfs  der  Wieselburger  kleine  Donau  Arm  ab,  der  die  fruchtbare  kleine
Schütt  (Szigetköz)  umfangend,  in  launischem  Geschlüngel  westlich  an  Ungarisch-Altenburg,
dann  an  dem  Marktstecken  Wieselburg  vorbeifließt.  Unterhalb  von  Mecser  verläßt  er
das  Comitat  wieder,  dessen  Südseite  übrigens  auch  von  der  Rabnitz  bespült  wird,
während  vom  Neusiedler  See  die  Ostseite  (26.170  Catastraljoch)  und  vom  Hansag  der
nördliche  Theil  diesem  Comitate  angehören.
Besucht  man  den  Mittelpunkt  und  Sitz  des  Comitats,  so  lernt  man  das  vielgenannte ­
  Flüßchen  Leitha,  ehemals  Sar,  kennen.  Sie  kommt  ans  Österreich,  tritt  bei
Pvtz-Nensiedl  (Lajtafalu)  in  das  Comitat  ein,  bildet  eine  Strecke  weit  sogar  die  Landesgrenze ­
  und  theilt  sich  dann  in  mehrere  Arme,  mit  denen  sie  Ungarisch-Altenburg  und
seinen  prächtigen  Park  umspannt;  ehemals  umfloß  sie  auch  die  dortige  Burg,  in  deren
Graben  jedoch  gegenwärtig  wohlgepflegte  Zier-  und  Küchengärten  grünen.
Der  Hauptort  des  Wieselburger  Comitats  ist  Ungarisch-Altenburg  (Magyar-Övär),
  am  Zusammenfluß  der  Leitha  und  kleinen  Donau,  ein  hübsches  Städtchen  mit
3.302  Einwohnern,  dessen  Name  sein  Prädikat  erst  seit  200  Jahren  führt,  während  das
bloße  „Ovar"  schon  unter  den  Ärpaden  vorkommt.  Ans  der  Stätte  der  heutigen  Burg,
oder  nahe  dabei,  lag  das  römische  Fort  ^ck  Uloxuin,  das  die  vom  linken  Donau-Ufer
herüberstreifenden  Quaden,  Markomannen  und  anderen  Barbaren  in  Schach  zu  halten
hatte.  Das  Hauptquartier  der  Römer  befand  sich  in  Carnuntum,  an  der  Stelle  des
jetzigen  Petronell  in  Nieder-Österreich,  von  Ivo  laut  der  Penttinger'schen  Tafel  eine
Heerstraße,  einerseits  über  Gerulata  (jetzt  Oroßvär,  Karlburg),  Ulsxuiu,  Stailuco
(jetzt  Ötteveny,  Hochstraß)  und  Arrabona  (Raab)  nach  Bregetium  (Ö-Szöny),  anderseits
über  Ulmum  (Bruck  an  der  Leitha),  Mutenum  (Donnerskirchen),  Scarabantia  (Ödenburg)
nach  Sabaria  (Steinamanger)  führte.  Der  von  Sümpfen  umgebene  erhöhte  Standort  von
Ungarisch-Altenburg  schien  für  ein  Fort  wie  geschaffen,  und  in  der  That  war  hier  Jahrhunderte ­
  hindurch  ein  nächtiger  befestigter  Platz.  Unter  Trajan  wurden  hieher,  zum  Ersatz
            
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