Über das untere Ende von Altenbnrg hinaus liegt die Vorstadt Ujtelep mit der
neuen reformirten Kirche, dem Karolinenspital, den Gebäuden des alten Mauthhauses
und eleganten Villen. Ein einstöckiges Landhaus iu ziemlich großem Garten hat sich ein
ehemaliger Hörer der Akademie, Herzog Nikolaus von Württemberg, als Sommer
wohnung erbaut und dann dem deutschen Ritterorden geschenkt.
llugarisch-Altenburg ist der Sitz der Eomitatsbehörde, eines Stuhlrichters, zweier
Bezirksrichter, eines königlichen Notars und desEomitats-Schulinspectors; außerdem besitzt
es ein Staatsbanamt, Grundbuchsamt, Post- und Steneramt. Außer der Akademie und
dein llntergymnasium der Piaristen sind gute Elementarschulen vorhanden, ferner eine
von Nonnen geleitete Kinderbewahraustalt (Hildegardeum), eine gewerbliche Wieder
holungsschule, hiezu kommen mehrere gesellige Clubs, der wohlthätige Frauenvereiu, die
freiwillige Feuerwehr, der Turnverein, Fechtclub, Verein für Krankenpflege, bürgerliche
Gesaugsverein u. s w. Die Intelligenz ist im Verhältniß zur Einwohnerzahl weit
bedeutender als in den meisten kleinen Städten. Auch die akademische Jugend ist natürlich
ein kräftig belebendes Element.
Zwei Kilometer südlich von Ungarisch-Altenburg liegt die stille, wie ausgestorbene
Großgemeinde Wieselburg (Moson) mit 4.815 magharischen und deutschen Einwohnern
an der kleinen Donau und der Wien-Brucker Eisenbahn. Seine Vergangenheit ist bedeu
tender als seine Gegenwart. Einst hatte es eine starke Burg, die dem Comitate seinen
Namen gab. Der Böhmenkönig Ottokar zerstörte sie so, daß nicht einmal ihr Standort
sicher ist. schon unter den Ärpaden mag Wieselburg ein blühender Handelsplatz gewesen
sein; dahin deutet König Emerichs Verfügung vom Jahre 1198, daß die Kaufleute von
ihren zwischen Pest und Musin (Moson) verkehrenden Fuhrwerken, wenn sie Gran
umgehen sollten, die ganze Mauth in Tat zu entrichten haben.
Nach und nach erstand die zerstörte Stadt wieder und entwickelte sich zu einem
bedeutenden Umschlagplatz für Getreide, das zu Schiffe hingelangte und meist auf der
Achse nach Wien befördert wurde. Die Verschlammung des Wieselburger Donau-Armes
und der Ausbau der Wien-Raaber-, später bis Üj-Szönh-Komorn weitergeführteu
Eisenbahnlinie lähmten den Getreidehandel der Stadt, an den jetzt hauptsächlich noch die
Lagerräume erinnern. Früher waren zuweilen 5000 bis 6000 Getreidewagen gleichzeitig
unterwegs von Wieselburg nach Wien und ganze Gemeinden befaßten sich fast nur mit der
Verfrachtung. Gegenwärtig ist die größte Sehenswürdigkeit, außer der Kirche, die Kühne'sche
Maschinenfabrik und Eisengießerei, die iu den Räumlichkeiten der einstigen erzherzoglichen
Zuckerfabrik untergebracht ist und zu den blühendsten Fabriksanlagen des Landes gehört.
Wieselburg ist auch ein District der gegenwärtig im Besitze des Erzherzogs Friedrich
befindlichen Domäne Ungarisch-Altenburg. Die Meierei, die unter Anderem einen