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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 4

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war lange Zeit gänzlich vernachlässigt und erhielt erst im Jahre 1874 sein jetziges Pracht 
gewand. Siebzehn steile Stufen führen von der Bastei her, wo sich eine herrliche Aussicht 
ans das Donaugelände eröffnet, durch ein enges Gäßchen zur Kapelle empor. Sie hat 
einen Flächenraum von ungefähr fünf Quadratmeter und ist mit glänzenden Wand 
malereien und Historienbildern geschmückt. In ihrer Mitte dient eine Säule als Ansatz für 
die starken Bogen, die sich zu den Pilastern und Wänden hinabneigen. 
Steigt man den Festungsberg herab, so findet man drei große Gebäude. Rechts 
und links ragen die zwölf Domherrenhäuser und links der Bau des Seminars, das durch 
einen sechzig Meter langen, mächtig gewölbten Tunnel mit der jenseitigen Straße des 
Festungsberges verbunden ist. Das Seminargebäude wurde 1885 errichtet. Es hat eine 
romanische Kapelle mit einem Glasgemälde (St. Stefan) als Altarblatt. Das Grauer 
Seminar ist seinem Ursprung und der Zahl seiner Zöglinge nach das erste des Landes. 
An der Mündung der Kleinen Donau, am Fuße des Festungsberges, erhebt sich der im 
Renaissancegeschmack erbaute Primatialpalast, im Austrage Johann Simor» nach Lippert» 
Rathschlägen durch Preßburger und Wiener Architekten erbaut. Den Hauptschmuck dieses 
Palastes bildet das Treppenhaus. Es ruht auf Säulen von farbigem belgischen und 
italienischen Marmor, die Wände sind mit gelben Marmorfeldern und die Decke mit 
Stucco-Lustro verziert. Die Treppenstufen sind carrarischer Marmor, die Treppenbrüstungen 
aus vergoldetem Schmiedeeisen gefertigt. Auf dem Podest des zweiten Stockwerkes ist 
Timors Wappen in venetianischer Mosaik angebracht. Der Prunksaal des Palastes ist nrcht 
groß, wirkt aber durch Richtigkeit der Verhältnisse und der Ausschmückung vortheilhaft. Die 
Wände sind von gelbem Marmor, der Plafond in Stuck ausgeführt. Zwei Riesenspiegel und 
ein Marmorkamin tragen zur Stattlichkeit des Saales bei, der für 150 Gäste Raum bietet. 
Der größte Theil des Palastes enthält das erzbischöfliche Museum. Dieses 
besteht ans Gemäldegalerie, Kupferstichsammlnng, Bibliothek, Archiv, Sammlungen von 
Prachtwcrken, von Antiquitäten und Raritäten. Die Gruppen sind mannigfaltig, die 
Sammlungen jedoch nicht groß. Simor begann das Sammeln schon als Raaber Bischof 
und eröffnete seine Gemäldegallerie im Jahre 1875, vorerst in den Oberstocksälen der zur 
Erzkathedrale gehörigen Bibliothek. Gegenwärtig ist die Primatial-Bildergallerie auf 
etwa vierhundert Gemälde angewachsen. Unter den hervorragenderen Meistern befinden sich 
Ghirlaudajo, Cimabue, Pinturicchio, Carlo Dolce, Palma Vecchio, Guido Reni, Crivclli, 
Carracci und Andrea del Sarto. Simor wünschte in seinem Museum die geschichtliche 
Entwicklung der kirchlichen Malerei durch Sammeln geeigneter Werke ersichtlich zu machen. 
Von neueren Meistern finden sich: Seghers, Ittenbach, Dobyaschofsky, Sattler, Vlaas 
und Führich. Von ungarischen Malern sind: Markö, Ligeti, Liezen-Mayer, Szoldatic», 
Molnär und Paczka durch einzelne Werke vertreten.
	        
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