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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 4

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600  Joch  großen  Park,  in  dessen  großem  Weiher  sich  das  Schloß  spiegelt.  Hier  waren
die  werthvolle  Bibliothek  und  die  ansehnliche,  aus  seltenen  Werken  bestehende  Gemäldesammlung ­
  der  Grafen  Brunswick  nntergebracht;  die  Gemälde  verblieben  im  Besitze
der  Familie  und  wurden  nach  dem  Verkauf  der  Besitzung  fortgeschafft.  Die  Kirche  und
deren  Kapelle  sind  reich  an  Kunstwerken,  unter  denen  einige  Fresken  von  Maulpertsch,
Kirchengewänder  von  seltener  Schönheit  und  künstlerisch  gearbeitetes  Kirchengeräth  zu
erwähnen  sind.  In  dieser  Kirche  ist  Gräfin  Theresia  Brunswick  bestattet,  die  ihr  ganzes
Leben  und  ihr  großes  Vermögen  der  Sache  der  Kindererziehung  und  der  Einbürgerung
des  Krippenwesens  gewidmet  hat.  Im  Park  von  Martonväsar  bewahrt  ein  Baum  mit  dem
eigenhändig  eingeschnittenen  Monogramm  Beethovens  das  Andenken  an  den  Aufenthalt
(1806)  des  großen  Tondichters.
Von  Martonväsar  weiter  folgt  längs  des  Thales  eine  Reihe  von  wohleingerichteten
Besitzungen  mittlerer  Größe  und  auf  der  Linie  Laraeslm,  UeUanck,  Käpolims-NM,
Velare  erblickt  man  hübsche  Herrensitze  und  Parks.  Es  sind  dies  die  ständigen  Wohnorte
eines  großen  Theiles  der  Grundbesitzerclasse  dieses  Comitats,  was  sowohl  der  Annehmlichkeit ­
  des  geselligen  Verkehrs,  als  auch  der  Nähe  des  Velenczeer  See's  mit  seiner  ganz
prächtigen  Jagdgelegenheit  zuzuschreiben  ist.
Der  See  besteht  aus  zwei  Theilen,  dem  eigentlichen  großen  See  mit  beständig
tiefem  und  klarem  Wasser  und  dem  seichten,  stellenweise  ganz  versiegenden  Rohrsee,
der  sich  gegen  Südost  erstreckt.  Die  Jagd  ist  auf  beiden  Partien  überaus  interessant
und  ergiebig,  nur  daß  sie  im  seichten  Rohrsee  größtentheils  vom  Anstand  aus  betrieben
wird,  während  im  großen  See  Treiber  und  Jäger  auf  zahlreichen  Kähnen  das  Wild
aufjagen.
Der  untere  Theil  des  See's  dehnt  sich  bis  zur  Gemeinde  Dinnyes,  sieben  Kilometer
von  Stuhlweißenburg,  aus.  Am  User  des  Velenczeer  See's  liegen  Sukorö  und  Pakozd,
beide  größtentheils  Kapitelbesitz;  jenes  durch  seine  vorzüglichen  Kirschen,  dieses  durch
seinen  Wem  berühmt.  Unweit  des  See's  liegt  Pußta-Nyek  (jetzt  Kapolnäs-Nyek),  der
Geburtsort  Michael  Vörvsmarth's.
Am  Anfang  des  Tarnoker  Thales,  bei  Erd,  schwenkt  die  Bndapest-Fünfkirchner
Linie  der  ungarischen  Staatseisenbahnen  nach  Süden  ab,  um  dann  das  ganze  Comitat
der  Länge  nach  zu  durchschneiden  und  bei  Simontornya  in  das  Tolnaer  Comitat  überzugehen.
  Parallel  mit  ihr  zieht  längs  der  Donau,  gleichfalls  durch  das  ganze  Comitat,
eine  der  ältesten  Landstraßen,  die  noch  auf  den  Resten  der  alten  Römerstraße  von
Aqnincum  nach  Esseg  angelegt  wurde.
In  der  Richtung  dieser  Straße  lagen  die  altrömischen  Colonien  längs  der  Donau,
und  zwar:  Matrica  zwischen  Batta  und  Ercsi,  Vetus  Salina  an  der  Stelle  von
            
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