588
befinden. Anch dieses Bad ist schon etwa 50 Jahre alt; es besteht aus Badehäusern, die
im Wasser auf Pfosten stehen und seither wiederholt erneuert wurden. Unter die
Badeorte der Plattensee-Gegend gehört ferner das Bad Heviz, westlich von Keßthely,
mit eineni eigenthümlichen Wasser, das nicht ermangeln konnte, die Aufmerksamkeit der
Ärzte auf sich zu ziehen. Dieses Wasser ist nämlich ein kleiner, etwa 2 Joch großer See,
der am Fuße der Pähoker Hügel inmitten einer reizenden Ebene liegt; es ist schwefelnnd
kohlensäurchaltig, hat eine Temperatur von 28 Grad Reaumur und sein Schlamm
besteht aus eigenthümlichen kleinen, schuppenartigen Körnchen. Der nördliche Theil des
Sees ist, trotz der Wärme des Wassers, dicht mit Rohr und Schilf bewachsen, an seinem
Südende aber leitet ein beträchtlicher Bach das mächtig sprudelnde Quellwasser des Sees
in den Plattensee ab. Das Landvolk kannte dieses Wasser seit uralter Zeit und benützte
es stets gegen rheumatische und gichtische Leiden, aus Verrenkungen oder anderen Ursachen
entstandene Geschwülste und noch mancherlei ähnliche Krankheiten; zu Hunderten zog es,
namentlich an Festtagen, aus den benachbarten Dörfern an den See und blieb 5 bis 6
Stunden lang in dessen Wasser sitzen. Das Gebiet gehört dem Grafen Tassilo Festetich,
dessen Onkel, Graf Tassilo Festetich der Ältere, bereits vor 30 Jahren die Umwandlung
des Bades in einen modernen Badeort begann. Er baute daselbst ein hübsches Logir- und
Gasthaus, schuf Kühlungsplätze, errichtete für den Sommer eine ständige badeärztliche
Station und sorgte für bequeme Verbindung mit Keßthely. Gegenwärtig hat das Bad
schon einen so guten Ruf, daß die jeden Sommer zuströmenden Kranken nicht einmal alle
unterzubringen sind. Auf dem Gebiete des Zalaer Comitats gibt es noch einige kleinere
Badeorte, so: Alsö-Örs, Csopak, Rev-Fülöp und Szepezd.
Unter den Plattensee-Bädern des Veßpremer Comitats steht Siöfok voran. Es
wird zwar von dem leidenden Publikum, namentlich den Frauen und Kindern, schon seit
mehr als zwei Jahrzehnten benützt, ist aber erst seit 1892 als modernes Bad zu betrachten.
In diesem Jahre ließ eine Actiengesellschaft den Strand zwischen der Eisenbahnstation
und dem Plattensee nivelliren und auf dieser aufgeschütteten Fläche schöne, mit aller
Zweckmäßigkeit und Bequemlichkeit eingerichtete Gasthof- und Speisegebände Herstellen.
Seither entwickelt sich diese Badecolonie mit erstaunlicher Rührigkeit und die Zahl ihrer
Besucher reicht schon beinahe an die von Balaton-Füred.
Siöfok gegenüber liegt nördlich, am unteren Ende des Dorfes Vörös-Bereny, das
Bad Alm ad; die Gegend ist durch Hügelreihen belebt und kann sich anmuthigerLandschaftsmotive
rühmen. Dieses Bad wird kaum erst seit anderthalb Jahrzehnten regelrecht verwaltet,
hat aber doch schon zahlreichen Besuch, insbesondere aus dem nahen Veßprem, sowie
den Comitaten Veßprem und Weißenburg. Jedenfalls ist es schon ein besser entwickelter
Badeort als das in der Mitte des nordöstlichen Plattensee-Strandes gelegene Kenese,