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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 6

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Bergtrichters  sind  mit  Buchenwald  bedeckt,  das  Seeufer  mit  einem  Kranze  schlanker
Tannen  umgürtet.  Der  Wind  findet  hier  nicht  leicht  Eingang,  nur  selten  sieht  man  den
Wasserspiegel  von  einem  Lüftchen  gekräuselt.  Die  entzückende  Schönheit  und  Heimlichkeit
des  Punktes,  die  feierliche  Stille  ringsum  stimmt  zur  Andacht.  Auch  wurde  die  Stelle
allezeit  als  heilig  betrachtet.  Die  alten  Magyaren  sollen  hier  ihre  Opfer  verrichtet  haben,
als  sie  die  Religion  der  Väter  nicht  mehr  frei  ausüben  durften.  Später  baute  das
ungarische  Christenthum  am  Seeufer  eine  Kapelle  zu  Ehren  der  heiligen  Anna,  wohin
zweimal  im  Jahre  gewallfahrt  wurde.  Später  wurde  dies  verboten  und  seitdem  steht  die
Kapelle  verlassen;  desto  eifriger  strömen  die  Naturfreunde  herbei.  An  See  und  Kapelle
knüpft  die  Volksdichtung  mancherlei  herrliche  Mären.
Dem  See  benachbart,  steigt  der  Csomag  1300  Meter  hoch  empor.  Wo  seine  Massen
über  dem  See  auf  die  des  Büdös  treffen,  liegt  1000  Meter  hoch  ein  schwankender,  moorigsumpfiger, ­
  von  Meeraugen  und  Tümpeln  durchbrochener  subalpiner  Bruch,  der  Kukojßas-(Mohos-)
  Sumpf.  Dieses  unvergleichliche  Naturgebilde,  größer  als  der  St.  Anna-See,
ist  eine  förmliche  Wasserburg,mit  dichtem  Sphagnumteppich  bedeckt,  der  unter  den  Schritten
schwankt,  ohne  aber  durchznbrechen.  Diese  sumpfige,  von  Wasserlöchern  unterbrochene
Moorwiese  mag  wohl  das  obere  Reservoir  des  St.  Anna-Sees  sein,  der  von  hier  aus
durch  unterirdische  Canäle  gespeist  wird,so  daß  ertrotz  Verdunstung  stets  sein  Niveau  behält.
Von  Tusnäd  nördlich  liegt  Tusnäd-Ujfalu,  daun  Csik-Tusnäd,  dann  Csik-Kozmas,
  worauf  der  Weg  sich  theilt.  Südöstlich  führt  er  durch  ein  Eugthal  auf  die
Nyergeshöhe,  die  das  von  Käßon  herüberziehende  Eugthal  völlig  beherrscht.  Mächtige,
dichtbewaldete  Alpenhäupter  blicken  ins  Thal  nieder.
Die  fünf  Ortschaften  mit  dem  Vornamen  Kaßou  arbeiten  hauptsächlich  Bretter,
Schindeln  und  andere  Holzwaren;  der  Kaßonbach  ist  ganz  mit  Sägemühlen  besetzt.  Eine
halbe  Stunde  von  Käßon-Jakabfalva  liegt  das  gleichnamige  Bad,  gewöhnlich  Kaßoner
Bad  genannt.  Es  besteht  aus  wenigen  einfachen  Häusern.  Die  Hauptquelle  bricht  als
mächtiger  Sauerbrunnen  aus  einem  Sandsteiufelsen  hervor;  sie  enthält  viel  Kohlendioxyd
und  zählt  zu  den  vorzüglichsten  Trink-  und  Heilquellen.
Dem  Altthale  entlang  folgen  im  Becken  der  unteren  Csik  nach  Csik-Tusnäd  die
schmucken,  volkreichen  Szeklerorte  Csik-Verebes,  Csatößeg  und  weiter  oben  Csik-Szent-Simon.
  Man  sieht  Schindeldächer  und  breite,  fast  sechs  Meter  hohe  Thore,  oft
mit  meisterlicher  Holzschnitzerei  und  100  bis  150  Jahre  alt.  Csik-Szent-Simon  ist
Station  der  Sepsi-Szent-György—Csik-Szeredaer  Eisenbahn.  Östlich  davon  liegt  das
große,  volkreiche  Csik-Szent-Marton.  Von  da  führt  ein  Weg  etwa  30  Kilometer
weit  in  den  Üzvölgyer  (Kis-Tölgyeser)  Grenzpaß,  der  jetzt  wenig  Verkehr  hat.  Das  wildromantische ­
  Thal  des  Üz  ist  von  finsteren  Tannenwäldern  und  steilen  Felsbergen  umsüumt.
            
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