Gyergyö-Ujfalu liegen. Hier beginnt die Welt der Flöße. Eine kleine Viertelstunde noch
und man ist in Gyergyö-Szcnt-Miklös, dein Hauptort der Gyergyö, einer am Fuße
der Gyergyöer Alpen gelegenen Großgemeinde, zugleich Bezirkssitz, mit 6100 Einwohnern.
Man glaubt eine Stadt vor sich zu haben, so stattlich stehen die schönen Kirchen da,
darunter die katholische mit dem 1498 erbauten Thurm, und die 1830 erbaute armenische
mit ihrer basteienbesetzten Mauer, und nicht minder die öffentlichen und Privatgebäude,
die breiten Gassen, die schönen großen Gärten, der weitgedehnte, lebenwimmelndc Marko
Platz. Die Hauptstraße durchfließt in gepflastertem Bette der Bekenybach. Die Bevölkerung
treibt Viehzucht und Ackerbau, als Hausgewerbe Töpferei. Der Handel ist fast ganz in den
Händen der Armenier.
Vier Stunden von hier liegt, 995 Meter über dem Meere, der wundervolle
Gyilkossee. Er ist etwa 600 Meter lang, dabei schmal, stellenweise 200 Meter breit.
Sein Wasser ist krystallklar und an einzelnen Stellen 30 bis 40 Meter tief. Die Lage ist
entzückend. Östlich steht der Gyilkoshavas im dunklen Tannengrün, nördlich das ungeheure
rothschimmernde Felsenmassiv des Nagy-Czojard; südlich erhebt der Nagy-Hagymäs sein
Felshaupt. Vor kaum einem halben Jahrhundert prangte an der Stelle, wo jetzt der schöne
See blitzt, eine frische Alpenmatte, auf deren sammtenem Rasenteppich sich der Likasbach
und der von Süden herabbrausende Gyilkosbach vereinigten. Da, im Jahre 1837, erbebte
eines Tages der Berg, und wo das Thal am engsten ist, stürzten die Felsen der Berg
flanken nieder und vermauerten dem enteilenden Bache den Weg. Wasserreich, wie er ist,
überfluthete er das Thal und alsbald wogte ein beträchtlicher See, wo kurz vorher noch
Baum und Gras und bunte Blumen wuchsen. Als das Thal ausgefüllt war, strömte
das Wasser über den Felsdamm weg und eilte in beschleunigtem Tempo auf seinem
unterbrochenen Wege weiter, durch das Labyrinth des Bekaspasses. So entstand der
Gyilkossee. Aus dem Wasserspiegel ragen noch jetzt die Wipfel ersäufter Riesentanueu
hervor, entlaubt, geschält und wettergebleicht.
Der schmale Weg, den sich der Bekäsbach durch das zwischen Ungarn und der
Moldau aufgethürmte Felsengebirge gebahnt hat, ist der wildromantische Bekäspaß.
Die Straße darin führt theils im Bette des Baches, theils nebenher. Das Bekäser Zollamt
befindet sich aus dem sogenannten Almäsfclde, wo der Zsedänbach in den Bekäsbach fällt.
Er kommt aus einem wunderschönen Seitenthale, einem der vielen, die ins Bekasthal
münden. Die Zsedanschlucht ist oft so schmal, dass man mit ausgestreckten Armen beide
Wände berührt; diese aber sind so steil und hoch (50 Meter), daß sie den Himmel ver
decken. Längs der fast ungangbaren Schlucht ist zur Verwerthung des allgegenwärtigen
Fichtenhochwaldes, ein hängender Kanal gezogen, durch den das Holz leicht nach Rumänien
geschafft wird. Der Kanal läuft hoch über dem tosenden Bach hin und die fertigen