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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 6

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Wichtigkeit,  doch  hat  es  sich  als  eine  der  Hauptstationen  für  die  Ausfuhr  ungarischer
Judustrieartikel  nach  den  Balkanländern  bis  auf  den  heutigen  Tag  eine  ansehnliche
Stellung  gewahrt.  Welche  Rolle  die  Kronstädter  Maaren  (brasoavs)  in  Bulgarien  und
Rumänien  spielen,  geht  aus  dieser  Bezeichnung  selbst  hervor,  die  im  dortigen  Handelsverkehr ­
  zum  technischen  Ausdruck  geworden  ist.  Es  gibt  in  Ungarn  nur  wenige  Städte,
in  denen  so  vielerlei  Gewerbe  betrieben  werden.  Die  alte  einfache  Werkstattarbeit  hat
sich  zu  einer  mit  modernen  Mitteln  ausgerüsteten  Großindustrie  entwickelt.  Aus  zehn
größeren  Industrieanlagen  im  Jahre  1870  sind  etwa  vierzig  wirkliche  Fabriken  im  Stadtbereich ­
  geworden.  An  selbständigen  Gewerbsleuten  gab  es  1894  1446,  mit  4000  Gehilfen
und  1500  Lehrlingen.  Aber  auch  in  den  anderen  Ortschaften  hebt  sich  das  Gewerbe.  In
Zeiden  (Feketehalom)  bilden  die  161  Gewerbetreibenden  einen  ansehnlichen  Procentsatz.
In  Helsdorf  (HöltöRny)  ist  ein  Gewerbegremium  von  102  Mitgliedern  thätig  und
erhält  auch  eine  gut  eingerichtete  Gewerbeschule.
In  der  Gewerbethätigkeit  von  Kronstadt  steht  die  Tuchweberei  voran,  namentlich
die  Tuchfabrik  mit  ihren  feinen  Herrenkleiderstoffen.  Eines  ihrer  gesuchtesten  Erzeugnisse
ist  eine  in  Kronstadt  und  Umgebung  hausgewerblich  erzeugte,  langhaarige  Kotzenart,  die
überall  im  Lande  für  Pferdedecken,  Fensterteppiche  und  Fußteppiche  Absatz  findet.
Bedeutend  ist  ferner  die  Fabrik  für  Möbel  aus  gebogenem  Holze.  Die  Zeidener  Werkzeugfabrik ­
  bestrebt  sich,  die  Balkanländer  zu  versorgen.  Auch  die  Eisengießerei  und
Maschinenfabrik  ist  nennenswerth.  Die  Holzindustrie  weist  in  den  Feldflaschen  (stulaes,
esrllora)  und  den  bekannten  Kronstädter  Parketwürfeln  Specialitäten  ans.  Die
Petroleumraffinerie  spielt  eine  große  Rolle;  vier  Fabriken  verarbeiten  bereits  das  rohe
Erdöl  Rumäniens.  Neben  der  Petroleumraffinerie  der  Creditbank  befindet  sich  die  größte
Industrieanlage  Kronstadts,  die  Schwefelsäure-  und  Kunstdüngerfabrik.  Eine  der  größten
Anlagen  ist  die  Zuckerfabrik  zu  Brenndorf,  die  auch  den  Ackerbau  stark  beeinflußt.
Erwähnenswertst  sind  ferner  die  Kronstädter  Canditenfabrik,  die  Spiritusfabrik  und
Bierbrauerei  in  Dirste  und  die  Spiritusfabrik  in  Neustadt,  wo  sich  auf  der  Besitzung  der
evangelischen  Kirche  auch  eine  Chamotte-  und  Thonwaarenfabrik  auf  Actien  gebildet  hat.
Die  Salami-  und  Fleischwaarenfabrication  erzielt  einen  starken  Verkehr.  Der  Kronstädter
Portland-Cement  ist  auch  für  das  rumänische  Baugewerbe  wichtig  geworden.  Interessant
sind  in  Kronstadt  die  Verbände  des  Kleingewerbes,  um  der  Concurrenz  der  Fabriken
vereint  besser  gewachsen  zu  sein.  Der  „Verband  des  Kronstädter  Ledergewerbes",  mit
86  Mitgliedern,  sichert  die  billige  Beschaffung  von  Rohmaterial;  eine  Genossenschaft
hat  den  Zweck,  den  ihr  zugehörigen  Schustern  und  Csizmenmachern  bessere  Verwerthung
ihrer  Producte  zu  ermöglichen.  Auch  das  Hausgewerbe,  namentlich  Spinnerei  und
Weberei,  ist  im  Comitate  gut  entwickelt.
            
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