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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 6

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die  letzte  Restaurirung  (1870  bis  1880)  ließ  das  Ärar  nach  den  Plänen  vvn  Franz
Schulcz,  spater  von  Emerich  Steindl  dnrchführen.  Sie  ist  aus  gutem  Material  sorgfältig
gebaut,  so  daß  die  Stürme  der  Zeiten  sie  der  Eigenthümlichkeiten  nicht  berauben  konnten,
denen  sie  es  nächst  ihrem  pietätvoll  gehegten  historischen  Ruhme  verdankt,  daß  sie  eines
der  hervorragendsten  derartigen  Baudenkmäler  des  Landes  ist.  Das  Vorbild  des  mittelalterlichen ­
  Burgbaues  diesseits  des  Königssteiges  ist  die  fränkische  Ritterburg;  ihr
Einfluß  zeigt  sich  auch  iu  den  Namen  der  Burgen,  die  häufig,  wie  aus  dem  Deutschen
übersetzt,  auf  „kö"  (Stein)  enden  (Detrekö,  Borostyänkö  u.  s.  w.).  Auch  jenseits  des
Königssteiges,  wo  alte  locale  Überlieferungen  und  neuere  Verhältnisse  das  Befestigungssystem ­
  bestimmen,  findet  sich  kein  Seitenstück  zur  Burg  des  großen  Türkenbesiegers.
Diese  richtet  sich  nach  dem  Muster  der  Burgen,  die  in  der  zweiten  Hälfte  des
XIV.  Jahrhunderts  in  Frankreich  gebräuchlich  waren,  und  besitzt  beide  Eigenschaften,
durch  welche  sich  diese  von  den  früheren  fränzösischen  und  auch  von  den  gleichzeitigen
deutschen  Burgen  unterscheiden.  Die  eine  besteht  in  dem  Fehlen  der  Umfassungsmauer,
die  andere  darin,  daß  nicht  der  Bergfried  der  Haupttheil  ist,  sondern  die  Vertheidigung
sich  gleichmäßig  vertheilt.  Während  also  jene  wirkliche  Befestigungen,  aber  mehr  oder
weniger  unbequem  zu  bewohnen  sind,  erscheinen  diese  mehr  als  befestigte  Paläste,  von
regelmäßigem  oder  unregelmäßigen  Terrain  und  umschlossen  von  Flügeln,  denen  auch
äußerlich  eine  schmucke  architektonische  Durchbildung  zu  Theil  wird.
So  ist  auch  Burg  Vajda-Hunyad.  Eines  unserer  Bilder  zeigt  das  Äußere  der  beiden
Flügel,  die  zur  Zeit  Johann  Hunyadi's  und  der  Elisabeth  Szilagyi  gewiß  nach  einheitlichem
Plane  gebaut  wurden.  Die  stattliche  Front  des  einen  ist  mit  vorspringenden  geschlossenen
Erkern,  die  auf  mächtigen  Pfeilern  ruhen,  geschmückt.  Hinter  ihnen  geht  ein  Gang  die  Wand
entlang  und  zieht  sich  dann  über  die  mit  einfachen  Arkaden  gegliederte  Fortsetzung  des  Flügels
bis  zu  dem  in  der  jenseitigen  Ecke  aufsteigenden  Donjon.  Der  andere  Flügel  wahrt  mehr  den
Charakter  des  mittelalterlichen  Befestigungsbaues  und  zeichnet  sich  durch  die  malerische
Gruppirung  seiner  Thürme  und  Basteien  aus.
Der  einzige  Eingang  der  Burg  ist  das  Thor  am  Fuße  des  die  beiden  Flügel
verbindenden  Thurmes;  es  war  einst  durch  eine  Zugbrücke  mit  dem  Bachufer  verbunden.
Das  Thor  führt  direct  in  den  geräumigen  Hof.  Dieser  bildet  ein  längliches  unregelmäßiges
Fünfeck;  sein  heiterer,  anheimelnder  Charakter  läßt  vergessen,  daß  man  sich  in  einer  mittelalterlichen ­
  Burg  befindet.  Rechts  führt  eine  einfache  Thüre  in  den  Rittersaal,  der  sich  im
Erdgeschoß  des  von  Johann  Hunyadi  erbauten  Flügels  befindet;  er  ist  durch  fünf  achteckige ­
  Pfeiler  aus  rothem  Marmor  in  zwei  Schiffe  und  sechs  Traveen  getheilt.  Die  Basen
und  laubgeschmückten  Capitäle  der  Pfeiler,  sowie  die  Rippen  und  Schlußsteine  des
Gewölbes  sind  aus  trefflichem  Kalkstein  gehauen.  Ein  Pfeiler  hat  eine  lateinische  Inschrift,
            
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