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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 6

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Vorhof umgebende einfache oder doppelte Mauer, deren Thürme nebst Graben und 
Zugbrücke. Auf die Kirche selbst erstreckt sich die Befestigung nicht, höchstens daß bei 
einer oder der anderen der Thurm ursprünglich mit einem Wehrgang versehen war. Es 
scheint, daß bei jener ersten Art die Kirche und ihr äußeres Schutzwerk gleichzeitig erbaut 
wurden, bei der zweiten Art aber die steinerne Kirche früher entstand und mit Graben 
und Verhau umgeben war, an deren Stelle später ein solides Schutzwerk trat. Dies gewinnt 
auch dadurch an Wahrscheinlichkeit, daß gerade unter den Kirchen des romanischen und 
Übergangsstiles sich solche befinden, deren noch jetzt bestehende Befestigungswerke späteren 
Ursprungs und zugleich vollständiger sind, als hätten sie für die Schutzlosigkeit der 
Kirche selbst Ersatz zu bieten. 
Solche Befestigung der Kirche war bei den Sachsen im XIV. und XV. Jahrhundert 
so allgemein, daß wir, um alle derartigen Bauten zu erwähnen, fast alle von Sachsen 
bewohnten Ortschaften anführen müßten. Die zu Hunderten vorkommenden Kirchen 
castelle stehen entweder in der Mitte des Ortes oder außerhalb, bald auf ebeneni Boden, 
bald auf einem Hügel; bei den meisten begnügte man sich mit der einfachsten Befestigung, 
einem mit Schießscharten und Wehrgang versehenen Mauergürtel und einem Thorthurm. 
Wo die Mauer durch zwei oder drei Thürme verstärkt ist, handelt es sich schon um ein 
ansehnlicheres Castell. Die Thürme gleichen ohne Ausnahme denen der Befestigungs 
kirchen und bekunden deutlich, daß die dortigen Bauherren und Baumeister keinerlei 
künstlerischen Jnstinct besaßen, der sie bei aller Wahrung des praktischen Zweckes zu 
einiger Mannigfaltigkeit in der Lösung der nämlichen Aufgabe angeregt Hütte. Die träge 
an ein und demselben Muster klebende Bauweise drückte trotz der vielen Übung diesen 
Werken überall den Stempel der Einförmigkeit auf. 
Die vollständigste und größte, ja in der That eine ansehnliche Burg auf ebenem 
Plan ist das Kirchencastell der Gemeinde Tartlau (Prazsmar) im Kronstädter Comitat. 
Hier ist die (bereits erwähnte) Kirche sicher älter als die Befestigung. Diese besteht 
aus einer äußeren, niedrigeren und einer inneren, etwa 12 Meter hohen Umfassungs 
mauer; der 3 Meter breite Raum zwischen ihnen läuft als äußerer Hof um den inneren 
Hof; vor dem gewölbten, durch eine Zugbrücke vertheidigten Eingang, der durch einen 
langen Gang führt, befinden sich noch zwei umfangreiche Vorhöfe. Von den vier Bastei 
thürmen sind zwei noch aufrecht. Der weite Irmenhof ist mit Kammern umgeben, die aris 
Holz in drei Reihen übereinander an die ganze Mauer gebaut sind, was mit den 
vorgelegten offenen Wandelgängen und den emporführenden Leitern und Stiegen ein 
malerisches Bild gibt. Die Bevölkerung des Ortes bewahrt in diesen Kammern noch jetzt 
ihre Lebensmittel: Getreide, Mehl und Speck, und zwar in ausgiebiger Menge, sowie ihre 
sonstige Fahrhabe auf. Auch in Honigberg (Szäß-Hermäny) ist das Kirchencastell ein
	        
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