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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 6

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sind denen der Kronstädter Kirche sehr ähnlich. Das Chor ist eine dreischiffige Halle von 
fünf Traveen, dreiseitig geschlossen, und fast ebenso lang und breit, wie die westliche 
Hälfte der Kirche. Die vier Pfeilerpaare zwischen den Schiffen sind schlank, achteckig, 
durch Dienste gegliedert und an den Capitälen mit hübschem Laub verziert. Das fünfte, 
ungegliederte Pseilerpaar wurde nach dem Erdbeben von 1523 errichtet. Das -vhor an 
der Südseite, das sich in die erste Travie des Chores öffnet, hat eine große Vorhalle; 
in der Ecke derselben erhebt sich ein schlanker Thurm, in dem eine Schneckenstiege auf die 
über dem Gesimse des Chores umlaufende Brüstung führte. Dieses Zierwerk, sowie die 
das Gesimse und die Brüstung unterbrechenden oberen Fialen der Strebepfeiler sind 
sammt Gesimse und Brüstung verschwunden; dagegen ist der größte Theil des plastischen 
Schmuckes der Zerstörung entgangen. Im Innern sind die Wandpfeiler der Seitenschiffe 
mit Heiligenfiguren geschmückt, die auf Consoken unter Baldachinen stehen. Die Strebe 
pfeiler sind weit interessanter. An ihnen zeigt sich am charakteristischesten die Vorliebe 
und Erfindungsgabe des Baukünstlers für plastischen Schmuck. Die meisten der in vier 
Abstufungen verjüngten Pfeiler sind in ihrem unteren Abschnitt mit einer von einem 
Dreipaß umrahmten Reliefbüste verziert. Diese dienen der im Kirchenhofe spielenden 
Schuljugend — wie es scheint, schon seit Generationen - als willkommene Zielscheibe und 
gehen völlig zugrunde, so daß ihre ursprüngliche Form gar nicht mehr zu erkennen ist. 
Nach Ansicht der Einwohner sollen sie Wohlthäter und Wohlthäterinnen der Kirche 
vorstellen, doch ist es wahrscheinlicher, daß sie Überreste von römischen Grabmälern der 
Umgegend sind, darunter auch welche aus gebranntem Thon, die der Baumeister geschickt 
verwendet hat. Der zweite Abschnitt der Pfeiler ist mit einer Heiligenfigur auf vor 
springender Console unter einem Baldachin geschmückt. Auf der Deckplatte der dritten 
Abstufung sieht man eine Thiergestalt liegen, während die obere Deckplatte mit einem 
Engel besetzt ist. Ganz oben steht in einer Nische mit Säulen und Baldachin gleichfalls 
eine Heiligenfigur. All das zusammen macht die Kirche zu dem in plastischer Hinsicht 
hervorragendsten gothischen Bauwerk Siebenbürgens. Am östlichen Ende des Kirchen 
hofes steht eine einfache gothische Kapelle. 
In Hermannstadt wurde der Bau der evangelischen Kirche A. B. in der zweiten 
Hälfte des XIV. Jahrhunderts an der Stelle einer älteren begonnen und wahrscheinlich 
zu Anfang des XV. Jahrhunderts beendigt. Sie war ein dreischiffiger basilikaler Bau mck 
Querschiff; das Langhaus bestand aus fünf Jochen, das Querschiff schloß mit einer 
geraden Wand, das verlängerte Chor mit drei Seiten; vor der WestfacFde stand, der 
Breite des Mittelschiffes entsprechend, ein quadratischer Thurm. In diesem Zustande war 
sie, trotz der Ungleichheiten in manchen Details des Aufbaues, die reichste, einheitlichste 
und in der Anlage correcteste unter den städtischen Kirchen der Sachsen. Da aber die
	        
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