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den ungarischen Theilen konnte jedoch der Unitarismus keine Wurzel fassen; er litt hier
Schiffbruch an der reformirten Orthodoxie, deren Haupt und Seele damals in Debreczin
Peter Juhasz (Melius), „ein Schriftsteller von rauhem Geschmack und ein gewaltsames
Parteihaupt", war. Er war es, der iu diesen Theilen den Calvinismus, die „ungarische
Religion" rettete. In diesen Bewegungen der siebenbürgischen Landestheile wurde auf die
alte Religion die geringste Rücksicht genommen. Theoretisch war sie wohl den übrigen
Glaubensbekenntnissen gleichgestellt, aber in der Praxis nahm man ihre Kirchengüter in
Beschlag und jagte die Bischöfe und Capitel — das Siebenbürger und Großwardeiner —
aus dem Lande. Die Anzahl ihrer Getreuen war eine geringe. Nur der östliche Theil des
SMerlandes und einige Herren, wie die Toldy im Biharer Comitate, Nachkommen des
berühmten Niklas Toldy, des ungarischen Herkules, und die beiden Bäthory von Somlyö,
Christof und Stefan, blieben ihr treu. Nach dem frühzeitigen Tode Johann Sigmunds
(am 3. März 1571) wurde aber der Letztere, Stefan Bathory, Fürst von Siebenbürgen,
und sein starker Arm ließ seine sinkende Confession nicht ganz zu Grunde gehen. Auf der
Mittagshöhe seines Lebens stehend — er war 38 Jahre alt — der würdige Sprosse einer
berühmten Familie, deren beste Eigenschaften er in sich vereinigte, gehörte er zu den hervor
ragendsten Fürsten des selbständigen Siebenbürgen. Nach vier Jahren (1575) wurde er
von der polnischen „Republik" auf den Thron berufen und wurde auch dort eine der
hochragendsten Gestalten in der Glanzperiode der polnischen Nation. Das siebenbürgische
Fürstenthum übertrug er seinem älteren Bruder Christof, bald darauf dessen minderjährigem
Sohn Sigmund (1581), dessenungeachtet wachte er mit der größten Aufmerksamkeit über
die Wohlfahrt seines früheren Vaterlandes. Und sein früheres Vaterland vergaß auch ihn
nicht. In seinen siegreichen Kämpfen gegen die Russen, gegen Czar Iwan „den Schrecklichen"
in Liefland, an der Düna, kämpften zahlreiche ungarische Tapfere mit, unter denen wir
die Namen noch heute lebender Familien, der Wesselenyi, Bänffy, Pechy, Kärolyi,
Läzär, Sibrik finden.
Mit Ungarn und dem ungarischen König behielt Siebenbürgen noch immer einige
Fühlung. Selbst Johann Sigmund, der „gewählte König", hatte die alten Beziehungen
nicht vollständig abgebrochen, und die Bäthorys schrieben sich bis 1593 nur „Wojwoden"
von Siebenbürgen. Jndeß weit realer und wahrer, weil auf wirklicher Kraft beruhend,
war die Abhängigkeit Siebenbürgens von den Türken, vor denen man es stets sorgfältig
verheimlichte, wenn man sich Ungarn näherte. Und mit der Pforte wurde selbst unter den
größten Fürsten je nach Umstünden mit mehr oder weniger Glück jenes Spiel getrieben,
welches ein scharfsichtiger Beobachter schon in der Mitte des Jahrhunderts folgendermaßen
charakterisirt hat: „Wir schweigen, schmeicheln, schicken Geschenke, dienen gehorsam, elend,
mit Schamröthe im Gesicht, aber — setzte er hinzu — nicht ohne Nutzen."