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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 1

festgestellt, daß die ungarische Kammer von der kaiserlichen oder österreichischen Kammer 
unabhängig sei, daß die Festungen ungarische Befehlshaber, ungarische Besatzungen 
erhielten, daß öffentliche Ämter in Ungarn, Kroatien und Slavonien nur Söhne Ungarns 
oder Ungarn unterworfener, mit ihm vereinigter Länder bekleiden dürfen, daß endlich 
die Machtvollkommenheit des Banns jenseits der Dran bis an die Adria und auch über 
die Grenzbezirke sich erstrecke. Nach der Krönung wurde der Reichstag organisirt, wurden 
die Elemente, aus denen die untere, ständische und die obere oder Magnatentafel zu bestehen 
habe, festgesetzt und blieben die diesbezüglichen Bestimmungen mit einigen Abänderungen 
bis 1848, ja theilweise bis auf unsere Tage in Kraft. 
Eine der Hanptverfügungen, der erste Gesetzartikel vor der Krönung, bezog sich auf 
die Angelegenheiten der Religion und bestimmte: „daß es den Ständen auf ihren, sowie 
auf den königlichen Gütern, den ungarischen Soldaten in den ,Grenzortenh den Markt 
flecken und Dörfern freistehen solle, diejenige Religion, welche sie freiwillig gewählt, 
ungehindert auszuüben". Bezüglich der Jesuiten wurde jedoch verfügt, daß sie in Ungarn 
keinerlei unbewegliches Vermögen besitzen dürfen. 
Der Protestantismus hatte demnach vollständig gesiegt, nur in Kroatien-Slavonien 
vermochte er nicht Fuß zu fassen. Zwei aufeinanderfolgende Palatine waren Protestanten: 
Stefan Jlleshazy (1608 bis 1609) und Georg Thnrzö (1609 bis 1616), Sohn des 
zum Protestantismus übergetretenen Neutraer Bischofs Franz Thnrzö und der Tochter 
des Szigethvarer Niklas Zrinyi, dessen Nachkommen weiblicher Linie, die hervorragendsten 
Familien des Landes, noch heute die Herrschaft Ärva als Thurzö'sches Erbe ungetheilt 
besitzen. Als am 31. October 1617 das erste Jahrhundert der Reformation bei Georg 
Thurzös Sohn, dem ehrgeizigen Emerich zu Biese, gefeiert wurde, da feierten es auch dort 
und in verschiedenen Theilen des Landes die Perenyi, Räköczy, Revay, Zrinyi, Nadasdy, 
Batthyäny, Forgach, Kärolyi und viele andere Magnaten- und Adelsfamilien, sowie 
königliche Freistädte und Comitate mit. Dies war aber der Culminationspunkt des Pro 
testantismus in Ungarn, denn damals hatte schon die katholische Reaction ihre Wirksamkeit 
begonnen, ja sogar kräftig fortgesetzt, und bereits saß der stärkste Vorkämpfer derselben, 
Peter Pazmäny von Panasz, auf dem Graner erzbischöflichen Stuhl. Päzmäny wurde am 
4. October 1570 in Großwardein im Biharer Comitate geboren, welches, seitdem der heilige 
Ladislaus dort erzogen wurde, dem Vaterlande so viele hervorragende Männer und wahre 
Ungarn schenkte. Sein Vater war helvetischer Confession, doch wurde der Sohn schon in 
seinem dreizehnten Jahre durch den Jesuiten Stefan Szänthö, den ersten Ungar, der in den 
Orden des heiligen Ignatius von Loyola trat, der katholischen Religion gewonnen. Sodann 
wirkten die Jesuiten Stefan Bäthorys im Klausenburger Collegium auf ihn ein und Pazmäny 
wurde in seinem siebzehnten Jahre selbst Jesuit. „Nur in einer schwarzen Kutte" verließ
	        
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