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MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 1

Hellauf  schmettern  die  Trompeten  und  hervor  treten  hundert  reisige  Bogenschützen;
auf  einen  Trommelschlag  schnellen  sie  alle  zugleich  ihre  Pfeile  ins  Grab  hinab,  damit  der
todte  Held,  mit  Braut  und  Streitroß  gleichzeitig  von  Pfeilen  durchbohrt,  hinübergehe  auf
den  Anger  der  Sonne.  Gott  hat  sein  Gefallen  daran,  wenn  die  Verewigten  mit  Wunden
bedeckt  vor  seinem  Antlitz  erscheinen.  Aber  der  Pfeilschuß  ins  Grab  ist  auch  darum  nothwendig,
  weil  sonst  der  begrabene  Todte  heimkehren  könnte;  nun  wird,  sollte  er  aufstehen
wollen,  sein  Gewand  an  den  Pfeilen  hängen  bleiben.  Nach  diesem  Pfeilhagel  erstechen  die
tültos-Priester  die  vierundzwanzig  Renner  und  deren  Blut  ergießt  sich  gleichzeitig  in  die
Grabgrube,  welche  die  Männer  mit  Schollen  zuzuwerfen  beginnen.
Und  jetzt  ist  die  Reihe  des  Weinens  an  den  Männern.  Aber  nicht  Thränen  weinen
sie,  sondern  Blut.  Der  Vater  des  todten  Helden  zückt  sein  krummes  Messer  und  schlägt
sich  Wunden,  an  beiden  Schultern  zuerst,  dann  an  der  Brust,  endlich  an  Wangen  und
Stirne;  so  weint  er  Blut  aus  sieben  Wunden.  Sämmtliche  Männer  folgen  seinem
Beispiele.  Unterdessen  blasen  Hörner,  Drommeten  und  Pfeifen  wild  durcheinander,  übergellt ­
  von  dem  Geschrei  der  Weiber.
Der  Held  und  seine  Braut,  obgleich  hoch  zu  Roß,  verschwinden  nachgerade  unter
den  Schollen;  endlich  steht  nur  ein  großer  runder  Hügel  da,  aus  dessen  Gipfel  der  Eibenstamm ­
  emporstarrt  und  die  Fahne  an  seiner  Spitze  im  Winde  flattern  läßt.  Nunmehr
zerstückeln  die  tältos-Priester  die  geopferten  Rosse  und  braten  jedes  auf  einem  eigenen
Holzstoß,  die  Herzen  aber  verbrennen  sie  auf  wohlriechendem  Feuer  zu  Ehren  Gottes  und
die  Pferdeköpfe  stecken  sie  auf  die  nach  Lanzenart  gespitzten  Stangen  zur  Botschaft  an
ferne  Zeiten,  daß  da  unten  die  Asche  eines  tapferen  Kriegshelden  ruht.
Während  dessen  ist  die  Sonne  zur  Rüste  gegangen,  nur  die  Holzstöße  stehen  in  Heller
Lohe.  Das  gebratene  Pferdefleisch  dient  nur  zum  Todtenschmaus.  Die  Spielleute  machen
sich  bemerklich  mit  Dudelsack  und  Pickelflöte  und  Querpfeife,  die  Männer  trinken  den
,Lläoinüs«  (Weihtrunk),  die  Weiber  werfen  sich  während  des  Mahles  mit  den  Knochen;
wenn  aber  dann  das  Siebengestirn  emporzieht,  regt  sich  Alles  im  Tanz  und  auch  dieser
heißt  Todtentanz.
Junge  Bursche  legen  sich  durcheinander  auf  den  großen  Grabhügel.  Dann  kommen
die  Mädchen  heran,  als  suchten  sie  ihre  in  der  Schlacht  gefallenen  Todten.  Welche  den
Ihrigen  findet,  sucht  ihn  zu  wecken,  doch  er  wacht  nicht  auf;  da  hebt  sie  ihn  empor,  starr
wie  er  sich  stellt,  und  tanzt  so  mit  ihm  die  Runde.  Arm  und  Bein  des  tanzenden  Jünglings
scheinen  zu  Stein  erstarrt,  sein  Kopf  fällt  hinten  über,  also  läßt  er  sich  im  Kreise  drehen
und  fällt,  wohin  man  ihn  fallen  läßt,  und  gespenstisch  summt  dazu  die  Musik.  Das
kriegerische  Turnier  macht  dem  Tanz  ein  Ende.  Niemals  schließt  der  Todtenschmaus  ohne
ein  solches.  Erst  wird  gerungen,  dann  folgt  der.  Faustkampf,  zuletzt  greift  man  zu  Streit-
            
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