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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 1

welche  den  Staat,  den  sie  begründeten,  auch  fernerhin  aufrecht  zu  erhalten  vermögen.  Das
Entstehen  und  Fortbestehen  des  einheitlichen  Staates  wurde  und  wird  von  der  geographischen
Lage,  von  der  horizontalen  und  verticalen  Gliederung  des  Landes  in  wirksamster  Weise
gefördert.  Die  Experimente,  welche  im  Laufe  der  Jahrhunderte  die  Zerstückelung  des  Landes
und  die  Zertrümmerung  des  ungarischen  Staates  bezweckten,  scheiterten  noch  jedesmal,
sobald  die  von  Leidenschaft  hingerissenen  Männer  sich  ernüchterten  und  auf  die  Stimme
der  Natur  zu  horchen  begannen.  Die  eigenthümlichste  Gestaltung  haben  die  Gebiete  im  L-üden
der  Kulpa  und  das  Küstenland,  und  eben  diese  Landstriche  haben  stets  auch  in  politischer
Beziehung  eine  gewisse  Selbständigkeit  genossen,  aber  das  Mutterland  konnte  die  Seehäfen
nicht  entbehren  und  mußte  bestrebt  sein,  sich  den  Besitz  derselben  zu  sichern.  Das  Mittelland ­
  zwischen  der  Drave  und  der  Save  war  einst  mit  dem  Mutterlande  eng  verbunden
und  verschmolzen,  und  die  geographischen  Factoren  nöthigen  es  auch  gegenwärtig  zur
Aufrechthaltnng  dieses  Verbandes.  Siebenbürgen  ist  in  gewisser  Beziehung  eigenartig
gestaltet,  aber  die  Natur  selbst  hat  es  zum  Bollwerk  Ungarns  gemacht;  es  hatte  seine  jetzige
Gestalt  noch  nicht  erhalten,  als  die  Grenzmauern  desselben  bereits  aufgebant  waren  und
es  an  Ungarn  knüpften;  seine  Hauptthäler  waren  schon  im  neogenen  Zeitalter  Buchten  der
See,  welche  das  ungarische  Alföld  bedeckte.  Die  Natur  verweiset  Siebenbürgen  ans  den  Verband ­
  mit  Ungarn  umsomehr,  weil  es  selbst  keinen  geographischen,  natürlichen  Mittelpunkt
hat,  wie  dies  aus  seiner  Confignration  und  seiner  geschichtlichen  Entwicklung  sich  ergibt.
            
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