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ansehnlichem Besitz hat ihr Vermögen eingebüßt, weil ihr Oberhaupt den Ehrgeiz hegte,
Vicegespan oder Ablegat zu werden. Es kamen auch Wortes vor, welche den Wein beider
streitenden Parteien tranken; diese nannte man »Kat üriluesos« (Leute mit zwei Feld
flaschen). Anderseits ist es aber auch vorgekommen, daß eine adelige Gemeinde um das
empfangene Bestechungsgeld einen Zuchtstier kaufte, diesen: den Namen des Bestechers
beilegte und bei der Restauration gegen den Geldgeber stimmte. Der politische Kampf
artete manchmal dermaßen aus, daß sogar die beiderseitigen Wahlversammlungsorte
(tuuxu) angezündet wurden. Das ist aber lange her.
Der Pfingstkönig. Am Tage der „rothen" Pfingsten versammeln sich auf dem
„Hause des Dorfes" (Rathhaus) die Ältesten der Ortschaft, wie es sich nach beendetem
Gottesdienste ziemt, und pflegen Rath über die vorznnehmende Wahl des Pfingstkönigs.
Draußen knallen mittlerweile junge Bursche hoch zu Roß mit den Peitschen und treiben
allerlei Scherz untereinander. Wenn dann die Herren von der Obrigkeit da innen das
bauchige Tintenfaß schier leer geschrieben haben, erscheint der gestrenge Herr Kleinrichter,
eine große rothseidene Fahne in der Hand, einen mächtigen Brautführerstrauß seitwärts an
der Mütze, und gibt ein Zeichen, »vorauf die braune Musikbande, die sich imHausflnr nieder
gelassen, ihre schönste Weise anstimmt, von der sogar die Pferde sammt und sonders zu
tanzen und zu Hüpfen beginnen. Die Bursche drücken sich die Mütze fester ans den Kopf,
stemmen sich noch strammer im Bügel, und jetzt heißt es: heut' sind rothe Pfingsten, heut'
soll sich's zeigen, „wer im Dorfe der Bursch' ist". Spiel' einen Marsch! herrscht man dem
Zigeuner zu. Der Klarinettbläser hält sein Werkzeug dem Herrn Kleinrichter dicht ans
Ohr, um ihn von seiner guten Absicht zu überzeugen, worüber dem Wackeren fast das
Trommelfell platzt. Der Klang der Musik lockt die ganze Bevölkerung in dichten Scharen
aufs Feld hinaus, die Einen zu Fuß, die Anderen zu Wagen, dort besetzen sie den ganzen
Anger, zu zehn und zwanzig ans einem Fuhrwerk, das jüngste Völkchen erklettert die
Bäume und schaut von da oben, wie von einer Galerie, dem nahenden Festzug entgegen,
den es den Untenstehenden mit lautem Geschrei ankündigt: „Da kommen sie schon! Da
kommen sie schon!" . . . Freilich kommen sie! Voran schreitet der Herr Kleinrichter. Der
liebe Gott hat ihm diesmal wohl gewollt und ihm ein Pferd zum Aufsitzen verschafft; wie
fängt er es nur an, daß er sich mit der rothen Pfingstfahne nicht die eigenen Augen
aussticht? Hinter ihm drein die Zigeunerbande, auf einem langen Streifwagen aufgereiht;
der „primLs" (Primgeiger) steht aufrecht im Wagen und streicht die Fiedel so gewaltig,
daß er mit dem Bogen schier allen seinen Genossen die Mütze vom Kopfe schlägt; den
Trompeter schilt der Kutscher in einemfort, weil er ihm just ins Ohr hineintrompetet; hinten
im Schrägen sitzt rothhosig der Baßgeiger und zetert auf die Metzgergeselleu los, aus
Angst vor den Hörnern des Farren, den sie allzudicht hinter ihm her führen. Zur Unter-