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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 1

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ansehnlichem Besitz hat ihr Vermögen eingebüßt, weil ihr Oberhaupt den Ehrgeiz hegte, 
Vicegespan oder Ablegat zu werden. Es kamen auch Wortes vor, welche den Wein beider 
streitenden Parteien tranken; diese nannte man »Kat üriluesos« (Leute mit zwei Feld 
flaschen). Anderseits ist es aber auch vorgekommen, daß eine adelige Gemeinde um das 
empfangene Bestechungsgeld einen Zuchtstier kaufte, diesen: den Namen des Bestechers 
beilegte und bei der Restauration gegen den Geldgeber stimmte. Der politische Kampf 
artete manchmal dermaßen aus, daß sogar die beiderseitigen Wahlversammlungsorte 
(tuuxu) angezündet wurden. Das ist aber lange her. 
Der Pfingstkönig. Am Tage der „rothen" Pfingsten versammeln sich auf dem 
„Hause des Dorfes" (Rathhaus) die Ältesten der Ortschaft, wie es sich nach beendetem 
Gottesdienste ziemt, und pflegen Rath über die vorznnehmende Wahl des Pfingstkönigs. 
Draußen knallen mittlerweile junge Bursche hoch zu Roß mit den Peitschen und treiben 
allerlei Scherz untereinander. Wenn dann die Herren von der Obrigkeit da innen das 
bauchige Tintenfaß schier leer geschrieben haben, erscheint der gestrenge Herr Kleinrichter, 
eine große rothseidene Fahne in der Hand, einen mächtigen Brautführerstrauß seitwärts an 
der Mütze, und gibt ein Zeichen, »vorauf die braune Musikbande, die sich imHausflnr nieder 
gelassen, ihre schönste Weise anstimmt, von der sogar die Pferde sammt und sonders zu 
tanzen und zu Hüpfen beginnen. Die Bursche drücken sich die Mütze fester ans den Kopf, 
stemmen sich noch strammer im Bügel, und jetzt heißt es: heut' sind rothe Pfingsten, heut' 
soll sich's zeigen, „wer im Dorfe der Bursch' ist". Spiel' einen Marsch! herrscht man dem 
Zigeuner zu. Der Klarinettbläser hält sein Werkzeug dem Herrn Kleinrichter dicht ans 
Ohr, um ihn von seiner guten Absicht zu überzeugen, worüber dem Wackeren fast das 
Trommelfell platzt. Der Klang der Musik lockt die ganze Bevölkerung in dichten Scharen 
aufs Feld hinaus, die Einen zu Fuß, die Anderen zu Wagen, dort besetzen sie den ganzen 
Anger, zu zehn und zwanzig ans einem Fuhrwerk, das jüngste Völkchen erklettert die 
Bäume und schaut von da oben, wie von einer Galerie, dem nahenden Festzug entgegen, 
den es den Untenstehenden mit lautem Geschrei ankündigt: „Da kommen sie schon! Da 
kommen sie schon!" . . . Freilich kommen sie! Voran schreitet der Herr Kleinrichter. Der 
liebe Gott hat ihm diesmal wohl gewollt und ihm ein Pferd zum Aufsitzen verschafft; wie 
fängt er es nur an, daß er sich mit der rothen Pfingstfahne nicht die eigenen Augen 
aussticht? Hinter ihm drein die Zigeunerbande, auf einem langen Streifwagen aufgereiht; 
der „primLs" (Primgeiger) steht aufrecht im Wagen und streicht die Fiedel so gewaltig, 
daß er mit dem Bogen schier allen seinen Genossen die Mütze vom Kopfe schlägt; den 
Trompeter schilt der Kutscher in einemfort, weil er ihm just ins Ohr hineintrompetet; hinten 
im Schrägen sitzt rothhosig der Baßgeiger und zetert auf die Metzgergeselleu los, aus 
Angst vor den Hörnern des Farren, den sie allzudicht hinter ihm her führen. Zur Unter-
	        
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