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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 1

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'  :  H'ILI

Zuweilen  flackert  wilde  Prahlerei  auf,  Verachtung  der  ganzen  Welt,  Trotz  gegen
jegliche  Macht,  vom  Rausch  erhitztes  Kraftbewußtsein,  am  Ende  gewinnt  aber  doch  wieder
das  melancholische  Hindämmern  ob  des  unvermeidlichen  Unglücks  die  Oberhand  und  mitten
in  diesen  Dornenstrauß  gebunden  steckt  wohl  eine  wilde  Pusztenblume,  ein  leichtfertiges
Liebchen,  wie  es  zum  BetyLren  paßt,  das  Schenkmädchen  mit  dem  Hundertguldentüchlein
am  Halse,  bestimmt,  den  verrathenen  Liebhaber  schließlich  an  den  Galgen  zu  liefern.  Aber
es  gibt  auch  Lieder,  welche  das  Betyarenleben  nach  der  Weise  des  echten  Genrebildes  mit
seiner  ganzen  Elendigkeit  schildern;  ein  solches  ist  „Buga  Jakabs  Sang":
„Was  trauerst,  Brodgenoß,  da  du  doch  gar  nichts  hast?"
Worauf  der  Gefragte  folgendermaßen  antwortet:
„Bloß  ist  meine  Rippe,  Dolmäny  hängt  in  Fetzen,
Meiner  Schulter  Blatt  muh  schlapp  der  Kalpag  wetzen,
Rößlein  fehlt  von  manchem  Hufe  längst  das  Eisen,
Und  wo  eins  noch  klappert,  will  es  auch  schon  reißen.
Meinen  Mantel  hat  des  Regens  Guß  zerwaschen
Und  zum  Henker  geht  die  letzte  meiner  Taschen,
Meines  Wolfsfells  Haare  rieseln  schäbig  nieder,
Rußig  ist  mein  Hemde,  wer  soll's  waschen  wieder?"
Die  späteren  Volkslieder  zeigen  auch  hierin  ein  Sinken;  an  die  Stelle  des  ehemaligen
schneidigen  Schwadronirens  ist  vielfach  der  Aberglaube  getreten,  der  schweifende  Betyär
weiß  vom  verfolgenden  Pandureulieuteuant  zu  singen,  er  habe  eine  „Teufelsmütze  auf
deni  Kopfe,  einen  Stahlspiegel  im  Sack  bereit,  damit  sieht  er  sieben  Meilen  weit.  Unterm
Arm  ein  Eulenaug',  so  sieht  in  finst'rer  Nacht  er  auch.  Mit  Eidechsblut  mischt  er  seinen
Wein,  drum  bangt  ihm  nicht  selbst  ganz  allein;  den  Schnurrbart  wichst  er  mit  Schlangeuschmalz,
  den  Säbel  schmiert  er  mit  Hahnenschmalz."  So  lange  der  nicht  da  war,  sei  der
Betyär  Herr  gewesen  zwischen  Maros  und  Theiß.  —  Diese  Art  von  Volkspoesie  ist  sammt
ihren  Helden  schon  im  Aussterben  begriffen,  und  das  ist  nicht  vom  Übel.
In  den  Spottliedern  finden  wir  die  Verkehrtheiten  des  Volkes  gegeißelt,  Trunksucht ­
  und  Lumpenthnm,  die  geputzte  Armuth  und  schäbige  Vornehmthuerei,  den  Luxus  der
Frauen,  die  Kniffe  der  schwiegersohnsüchtigen  Mutter,  die  Steifleinenheit  der  Damen  ans
der  „Nyir"-Gegend,  die  Winkelzüge  der  Obrigkeiten  und  besonders  häufig  das  Soldatenleben, ­
  z.  B.:
„Schlüge  doch  der  Blitz  in  Metzgers  Beil  hinein!  Kälblein  kann  auf  eig'nen  Füßen  nicht  mehr  traben,
Warum  hat  dein  Kalb  er  abgehackt  die  Bein'?  Der  Soldat  muß,  Ärmster!  huckepack  es  tragen,"—
oder  wo  der  Soldat  „sich  Sterne  zum  Abendbrod  herabguckt."  Die  Soldatenlieder
aus  neuerer  Zeit,  besonders  aus  den  Fünfziger-  und  Sechziger-Jahren,  haben  nur  Tone
            
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