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Orchester, Sänger, ja nach Feßler auch Sängerinnen hielt. Die Vorzüglichkeit dieses
Orchesters und Chores bekundet hinreichend der Vultnraner Bischof Peter in einem
Briefe an Papst Sixtus IV., worin er erklärt, nichts Trefflicheres gehört zu haben.
Joannes Tinctoris widmete sein Buch »Derininoinin innsiona äiktlintorinir^, das
erste musiktheoretische Druckwerk der Weltliteratur, seiner Schülerin, der Jungfrau Beatrix,
Tochter Ungarns, also Matthias' Braut.
Da die Verfasser der Encyklopädien über mehrere Lebensjahre dieses großen, ein
allgemeines Interesse beanspruchenden Mannes nichts zu sagen wissen, und da dessen
obenerwähntes Werk, das nur noch in wenigen Exemplaren zu finden, ohne Ort und
Jahreszahl erschienen ist, dürfen wir wohl fragen, ob nicht der Meister seiner Schülerin
nach Ungarn gefolgt sei und ob nicht vielleicht das interessante Werk gerade der Frei
gebigkeit Matthias' seine Entstehung verdanke. Wie dem aber auch sein mag, so viel ist
sicher, daß einige Jahrzehnte später der aus Kremnitz gebürtige Wiener Gymnasiallehrer
Stefan Monetarius mit einem 1513 in Krakau veröffentlichten und dem Georg Thnrzö
gewidmeten Buche in die Spuren des Tinctoris trat.
Nach solchen Prämissen sind wir berechtigt anzunehmen, daß das Musikleben des
XVI. Jahrhunderts sich noch bedeutend reicher entwickelt haben würde, wenn nicht die
zerstörenden Ereignisse dieses Jahrhunderts die Künste überhaupt gänzlich in den Hinter
grund gedrängt hätten.
Von den erhalten gebliebenen Kunstdenkmälern, welche sich in einigen, sozusagen
als Unica geltenden Exemplaren vorfinden, hat der ehemalige Bibliothekar des Museums,
Gabriel Mätrai, im Aufträge der Akademie der Wissenschaften einen Band zusammen
gestellt (1859): Die Hoffgräff'sche Sammlung und die Gesänge Sebastian Tinödis. In
dieser Liedersammlung befinden sich zusammen neunzehn Lieder, und zwar von Kaspar
Bajnai, Andreas Batizi, Stefan Csükei, Andreas Desi, Andreas Farkas, Peter
Kakonyi, Blasius Szekely, Michael Sztäray, Michael Tarjai und einem Unge-
kannten, überdies ein Bruchstück von Andreas Farkas und ein Scherzlied von Christof
Orm prüft.
Es ist höchst überraschend, daß die poetische Empfindung der Genannten mitten in
den Stürmen, welche den allgemeinen Untergang drohten, sich nicht in patriotischem
Schmerze oder in der Ermuthignng äußerte, sondern — mit Ausnahme des letzteren —
einstimmig den biblischen Geschichten galt. Dabei müssen wir jedoch bedenken, daß diese
Strömung dem Protestantismus angehört, welche, in Wettstreit mit der römisch-katholischen
Kirche getreten, die Legenden derselben in ihrem neuen Geiste ersetzen wollte.
Die äußere Form dieser Gesänge ist die der Strophe wie bei den Volksliedern. In
ihren Rhythmen pulsiren nicht die heutigen Choriamben, sondern Gemengsel von Spondeen