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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 1

*  Geschichte  von  Halitsch  und  Wend.  S.  481.  Engel.

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Betrachten  wir  zuerst  den  Einfluß  der  fremden  Elemente.  Wir  dürfen  wohl
behaupten,  daß  das  magyarische  Volk,  als  es  nach  Pannonien  kam,  ebenso  liederfroh  war
wie  heute.  Wir  haben  historische  Daten,  nach  denen  —  um  von  Anderem  zu  schweigen  —
sogar  die  Gesetze  gesungen  wurden.
Die  Volkslieder  und  die  aus  denselben  hervorgegangene  Volks-  oder  Tanzmusik
übten  ihre  Wirkung  auch  auf  die  fremdsprachigen  Nachbarvölker.
Als  die  Ungarn  1151  in  Gemeinschaft  mit  den  Böhmen  und  Polen  als  Verbündete
des  großen  Fürsten  Jaroslaw  kämpften  und  mit  allem  Siegespomp  in  Kiew  einzogen,  wo
die  Einwohner  sie  mit  Festmahlen  ehrten,  schätzte  sich  jedes  Haus  glücklich,  in  welchem
ungarische  Musik  erklang.  *
Welche  Blüte  unser  Volkslied  seit  jener  Zeit  erlebt  hat,  dafür  finden  wir  vierhundert ­
  Jahre  später  (1544)  einen  verläßlichen  Beleg  im  Epilog  der  Neu-Szigeter
Ausgabe  von  Sylvesters  (des  späteren  Wiener  Universitätsprofessors)  Bibel:  „In  solchen
Gesängen,  insonderheit  in  den  Blumengesängen,  darin  jeglich  Volk  des  ungarischen  Volkes
scharfen  Sinn  im  Erfinden  bewundern  konnte,  was  nichts  anders  ist  denn  ungarische
Poesie.  Da  ich  bei  solch  herrlicher  Sache  solch  gemeines  Beispiel  brauche  und  gleichsam
ini  Miste  Gold  suche,  ist  es  mir  nicht  darum  zu  thun,  die  Eitelkeit  zu  loben,  ich  lobe  nicht
das,  wovon  solche  Gesänge  handeln,  sondern  ich  lobe  den  edlen  Gebrauch  der  Rede."  Als
dieser  Epilog  in  Neu-Sziget  gedruckt  wurde,  da  hatte  sich  ohne  Zweifel  unter  den  Völkern
llngarns  schon  endgiltig  jene  musikalische  und  sprachliche  Vermischung  vollzogen,  welche
wir  an  zahllosen  Wörtern  und  am  musikalischen  Rhythmus  der  magyarischen  Sprache
beobachten  können.
Demgemäß  reihten  sich  an  die  Choriamben  unsere  Volkslieder,  wie  wir  oben
gesehen,  die  unpaarigen  Tactarten  und  außer  diesen  solche  paarige,  deren  Maße,  vom
Choriambus  abweichend,  einander  gleich  sind.  Die  unpaarigen  hat,  wie  der  Rhythmus
»  selbst  beweist,  unser  Volk  von  den  Polen  entlehnt,  unter  die  paarigen  gemischt
und  in  solcher  Weise  bis  auf  den  heutigen  Tag  bewahrt.  Solche  Lieder  wirken  nicht  nur
nicht  störend,  sondern  bewirken  vielmehr  eine  sehr  interessante  Abwechslung.  Wir  führen
als  Beispiel  nur  eines  von  den  Szeklerischen  an:

Steht  am  Dor  -  fes
Und  die  Wieg'  ein
Schließ  die  Äug  -  lein,

End'  ein  klei  -  nes
klei  -  nes  Magd  -  lein
Lämm-chen  mein,  die

Stüb  -  chen,
schwin  -  get,
from  -  men,
            
Waiting...

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