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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 1

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gestülpt, denn so trägt sie auch das Schaf". Es ist nicht zu wundern, daß auch dem Fremden 
die Suba nicht wenig auffällt. Neulich erklärte sich ein gelehrter Franzose höchlichst über 
rascht, als er in der großen Kirche zu Debreczin die Gesänge Goudimels von ein paar 
hundert Greisen fingen hörte, welche in „Thierfelle" gekleidet waren. Möglich übrigens, 
daß diese Thierfelle nicht einmal die wirkliche Suba waren, sondern die „Guba" der 
oberen Theißgegend. Diese ist ein Überwurf aus der Zackelwolle gewebt, manchmal weiß 
oder grau, am häufigsten aber schwarz, und erinnert Dank ihrer Verzierung mit blutrothem 
Tuch eher an die Hunnen, wie sie mit teuflischem „Hnj-Huj"-Geschrei sich in den Kampf 
stürzten, als an die frommen Gesänge Goudimels. 
Ein allgemein getragenes Oberkleid unseres Volkes ist noch der „Szür" (Loden 
mantel), der aber auch bei den übrigen Volksstämmen des Landes heimisch ist. Sein 
Stoff ist das aus rauher Schafwolle gewebte sogenannte Szür-Tuch. Seine Abarten 
find: der bis zur Leibesmitte reichende „Szür-Dolmäny" ohne jeglichen Schmuck, in den 
südlichen Comitaten von Kindern und bei Regenwetter auch von Frauen getragen, dann 
der „Kapuzen-Szür", der „Szür-Kragen", „Szür-Mantel" und „Schweinehirten-Szür" 
(üanüs2-sr:ür). Der „alte (das heißt lange) Szür", der sackförmig geschnitten ohne jeden 
Aufputz bis unters Knie reicht, gehört für ältere Männer; die„Szür-Jacke" dagegen, welche 
kaum bis zum Knie reicht und, soweit es der Stoff zuläßt, einen Taillenschnitt hat, wird 
in Gegenden, wo auch die Suba zu Hause ist, von Männern in den besten Jahren, flott 
umgeworfen auch als Gala-Oberkleid getragen. Die Erklärung dafür liegt in dem 
Anständigkeitsgefühl ihrer Träger. Die Suba nämlich ist das Gewand der Ruhe und des 
Festtags; man kann sie anlegen, um in die Kirche, auf die Brautwerbung, Brautschau, in 
die Rathsversammlung u. s. w. zu gehen, vor einen Höhergestellten aber tritt man nicht 
in der Suba, weil es sich nicht schickt, sie in ein Herrenzimmer mitznnehmen. Im Hemd 
oder Weftenleibchen kann man da auch nicht eintreten, wenn man nicht etwa für einen 
Sträfling oder Knecht gehalten werden will. Daher ist der Szür der Galarock. Und in 
der That spielt der Mann ans der Donau-Sarköz-Gegend mit seiner hohen aufrechten 
Gestalt, wenn er seine Korduanstiefel über die schwarzen Beinkleider gezogen und die 
schwarze Weste mit den Stahlknöpfen angethan hat, den weißen, schneeblanken Szür sich 
leicht um die Schultern wirft und sich das kecke runde Hütchen aufs Haupt drückt, keine 
zu verachtende Figur. 
Als einen Theil der allgemeinen Volkstracht kann man noch das — Rasiren 
betrachten. „Ohne Schnurrbart kein Magyar", sagt das Volkslied, das aber nicht 
anders citirt wird, als mit dem Nachdruck auf dem zweiten Worte, gleichsam um auf den 
hinzugedachten Nachsatz zu verweisen: „nicht aber ohne Bart". In der That gilt der 
Vollbart bei dem Magyaren als Herren-Äsferei oder Cynismus oder Demagogenthum,
	        
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